Archiv von Stefan Schürrer

Stefan Schürrer, Schriftsteller.

E-Book “Die frühen Jahre eines Versagers” kostenlos auf https://stefanschrrer.wordpress.com/

Autorenseite:
https://www.facebook.com/StefanSchuerrer/

Hier bekommt ihr Alltagsprobleme und philosophische Fragestellungen verarbeitet in hyperrealistischen Texten.

Noch eine kleine Ankündigung von mir, bevor das Jahr 2017 zu Ende geht und sich jeder, der sich keinen Netflix-Account leisten kann, vor den Fernseher hockt und Jahresrückblicke über die immer wiederkehrenden Jahresrückblicke reinzieht und sich später sturzbetrunken mit Böllern die Finger wegknallt.

*Trommlwirbel* [weiter ...] »

Ich sollte nach so einem Abend mit den Jungs eigentlich direkt ins Bett gehen, lieber keine Texte mehr schreiben und dabei auch keine deprimierende Musik hören wie Of Monsters and Men – Organs; und schon gar nicht noch einmal Sylvia Plath – The Bell Jar bis fünf Uhr morgens auf’m Klo lesen.

Alles fing damit an, dass vor ein paar Tagen eine Kassiererin aufstand, weil ihr der Rücken vom langen Sitzen und der immer gleichen Bewegung wehtat, als sie meine Ware über den Scanner schob, meinte sie noch: “Hi ‘tschuldigung, aber das hier ist manchmal wie eine Zelle.”

Da ging mir schon die nächste Geschichte durch den Kopf, ich wollte dieses Erlebnis mit einem anderen Erlebnis an der Kasse verbinden, als ich eine Mutter mit Kind mit Essensgutscheinen bezahlen sah; aber da gerade erst Mittagspause war, musste ich mich mit dem Schreiben bis zum Feierabend begnügen, da ich später aber auch keine Zeit hatte und über die Feiertage mit anderen Projekten beschäftigt war, musste ich bis jetzt damit warten. [weiter ...] »

“Und wie kommen wir jetzt am besten zum Museum?” “Keine Ahnung, Mann – ist doch deine Stadt. Du kennst dich hier besser aus.”, war ich immer noch ein wenig überrascht, dass er nach dem Essen meinte, ich komm noch mit ins Museum.

Ich hatte ihm von der Kuratorenführung vorgeschwärmt, von der süßen Kuratorin und wie gut sie ihre Arbeit gemacht hatte und das ich jetzt noch einmal in die Sonderausstellung wollte, um mir ein paar Künstlernamen rauszuschreiben für meinen neuen Artikel, an dem ich gerade noch arbeite.

“Ach, komm. Mein. Dein. Das sind doch bürgerliche Katego …” “Stimmt, es gibt nur witzig und nicht witzig; hab ich ganz vergessen.”, unterbrach ich ihn sofort, was ihn nicht weiter störte. “Gut, ich würd’ sagen, wir gehen hier lang, dann diese Straße, die du nicht kennst, dann über diese dir unbekannte Straße, dann nenn ich jetzt noch ein paar Straßennamen, die dir auch nichts sagen werden, sozusagen als kurze Wegbeschreibung und eigentlich führen ja alle Wege nach Rom, aber der Weg, den ich für uns ausgewählt habe, der sollte uns definitiv ans Ziel bringen – trotz Weihnachtsmarkt-Chaos.”, erklärte er mir den Weg, während wir darauf warteten, dass die Ampel auf Grün umschlug. [weiter ...] »

“Ob die Anderen schon da sind?” “Keine Ahnung, Mann – mir ist kalt. Lass einfach schon mal reingehen, die kommen schon noch.”, haut mir Arnold aufmunternd auf die Schulter und setzt sich in Bewegung.

“Wie war eigentlich die Beerdigung?”, peitscht uns die Musik unserer Jugend um die Ohren, Monsterparty von Die Ärzte dröhnt aus den Boxen und begrüßt uns prophetisch; da wir noch zu zweit sind, quatschen wir ein bisschen,vor allem darüber, wie es jetzt ist, wenn eine ganze Generation fehlt.

Ich heule mich ein bisschen bei ihm aus und will mich dann dafür entschuldigen, dass ich die Stimmung so torpediere, da meint er, ist doch völlig ok – es heißt doch, jeder trauert anders und irgendwie bin ich froh, dass das mal jemand angesprochen hat; wann reden wir denn auch mal über solche Sachen.

Er redet noch von seinen verstorbenen Großeltern, so entsteht ein intimer Moment zwischen uns, der nur durch die Bedienung unterbrochen wird, die unsere nächste Bestellung aufnehmen will; deshalb wechselt er schnell das Thema. [weiter ...] »

Er sitzt vor dem Fernseher und schaut die sechs Uhr Nachrichten, man könnte meinen, alles ist wie immer, dass sich nichts verändert hat.

“Ach! Hallo, schön dich zu sehen. Das ist aber nett, dass du mich auf meine alten Tage noch mal besuchen kommst.” “Oh, guckt ihr gerade etwa fern?” “Ach, ich hab den ganzen Tag im Bett gelegen. Ich musste einfach mal aufstehen, verstehst du? Die ganze Zeit nur rumliegen, tut mir auch nicht gut – Guck mal, da stehen sie jetzt vor ihrem Scherbenhaufen, zu hoch gepokert und jetzt haben sie alles verloren.”, zeigt er enttäuscht auf den Fernseher, wo sie gerade einer nach dem Anderen aus den Jamaika-Verhandlungen kommen und vor die Presse treten, um ein kurzes Statement abzugeben.

Mutter meinte heute Morgen noch, ich solle nochmal bei Oma und Opa vorbei gehen. Sie würden sich sicher freuen, und allzu lange hat Opa ja auch nicht mehr – und dabei könnte ich mir noch so viele Geschichten anhören. [weiter ...] »

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Ich stehe an der Fleischtheke und beschreibe Jan gerade in einem unverständlichen mambo jambo, was an der Bushaltestelle passiert ist, weil ich es selber immer noch nicht ganz verstehe, als er mich in meinem wilden Getippe unterbricht und fragt: “Hast du eigentlich die letzte Folge Neo Magazin Royale gesehen?”

“Was darf’s für Sie sein?”, fragt die Fleischfachverkäuferin, als sie mit dem letzten Kunden durch ist und nun meine Aufmerksamkeit möchte. “Ähm, erst mal 600 kg Gehacktes, halb und halb.”, ein Danke schiebe ich noch schnell hinterher, dann stecke ich meine Nase wieder ins Handy und tippe: “Meinst du die Folge zum Reichspark, der Themenpark für die ganze Familie zur spielerischen Aufarbeitung der NS-Zeit mit 25 Restaurants und jeder Menge Spaß für Groß und Klein; ja, hab ich.  [weiter ...] »

“Was hörst du denn da?”, zieht er an einem meiner Kopfhörer und mich damit aus den Gedanken; worüber ich sehr froh bin, denn, wenn einem die letzte Nacht noch in den Knochen steckt, dann kann man eh nicht geradeaus denken. Wenn man davon geträumt hat, dass man knietief im Wüstensand steckt und mit vorgehaltener Waffe gezwungen wird doch bitte schön sein eigenes Grab zu schaufeln, ist es mit dem friedlichen Schlaf dahin.

Turn Blue von The Black Keys, jetzt gerade ähm … läuft … äh … warte … wow … Years in Review - ha, und wie war der Film gestern?”, lache ich über diese Symbolhaftigkeit. “Genial, das war ja mal ein Spektakel! [weiter ...] »

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