Haltet ein!

Irgendwo in Europa liegt einer auf dem Boden und kann einfach nicht mehr. Man hat ihn eingeschnürt in besonders dicke Taue, sodass er sich kaum mehr bewegen kann.
Man erwartet allerdings Bewegung von ihm und davon jede Menge. Er liegt auf einem Nagelbrett in völliger Nacktheit, grinst jedoch seine Peiniger immer noch herausfordernd an.

Sie beschwören ihn sich doch endlich zu bewegen. Er solle doch endlich diese verdammte Lethargie über Bord werfen, um wieder ein vollwertiges Mitglied sein zu können.
Jedoch das geheime Fluidum der Undankbarkeit will sich einfach nicht ergeben.
„Ihr habt mir alles zu verdanken… alles! Eure gesamte Kultur, all euer Denken, was habe ich nicht alles für euch getan!“ Und nun peinigt ihr mich bis aufs Blut“, rief er.
Doch die Fürsten der Finsternis zeigten sich gnadenlos und traten ihn schließlich doch noch in den Morast. Daraufhin kamen dunkle Silhouetten, holten seinen Leichnam und entnahmen ihm alle seine Goldplomben.


4 Kommentare

  1. hasepremium

    Genau das ist das Problem:
    “Eure gesamte Kultur, all euer Denken….” das war altes Europa.
    Das Neue hat sich eine neue Kultur und ein neues Denken gesucht.
    Und gefunden!
    Sie sind von sehr weit her geholt und deshalb besonders wertvoll!
    Wir verstehen sie manchmal nicht so richtig. Aber das ist Nebensache!
    Man muß doch nicht Alles verstehen.
    Dabei sein ist Alles!
    Mitmachen – das ist die Devise, dem Trend folgen!
    Ganz besonders wenn es um Macht und Geld geht.
    Und um die wahren Werte.
    Haben die gefesselten Kerle auf dem Nagelbrett denn schon jemals ein ordentliches Auto gebaut???
    Warum nicht …. wenn sie doch so klug sind und schon immer Alles wußten?
    Grinsen also immer noch … interessant.
    Aber auch das werden wir ihnen noch abgewöhnen!
    Ich reg’ mich jetzt richtig auf.
    Aber ich muß wieder rein, an den Stammtisch.
    Prost!
    sagt
    hp

    1. Bambulie

      @Hase
      “Das Neue hat sich eine neue Kultur und ein neues Denken gesucht.”

      Ja, sie haben es gefunden das Neue. Jedoch der Neoliberalismus ist m. M. nach einfach rigoros gescheitert. Die Märkte regeln das schon selbst war ja bekanntlich das salbungsvolle Credo jener Verfechter der ach so vielgepriesenen Deregulierung der Finanzmärkte.
      Was daraus geworden ist sehen wir ja. Ein wild gewordener, entfesselter Raubtierkapitalismus der uns von einer Krise in die nächste treibt. Und blöd gewordene Bürgermeister die ganze Städte/Kommunen den Zockern in den Rachen geworfen haben.

      Wichtiger als Quartaldenken was Bilanzen anbelangt und die erwartete schnelle Rendite ist eben doch die Nachhaltigkeit bezüglich des Gemeinwohls. Ohne Solidarität, also ein gesellschaftlicher Konsens über globale Verhaltensweisen hinweg, geht gar nichts. Wer aber macht den Anfang?

      occupy the whole world

  2. Corina Wagner

    Ein heikles Thema, über das man lieber schweigt, denn man könnte sich ja am Nagelbrett verletzten und sich einen Fingernagel abbrechen, wenn man am Goldlack des Schriftzuges Vereintes Europa kratzt. Es wird immer wieder im Laufe der nächsten Jahrzehnte Differenzen im gelebten Europa geben, da wir nicht alle aus dem gleichen „genormten Kantholz geschnitzt sind“. Es gibt Kanthölzer die neigen zu Profilierungsneurosen und mit anderen kann man nichts anfangen, weil sie falsch bearbeitet wurden.
    ;-)
    HG
    Corina

    1. Bambulie

      Das Jahrhundertprojekt Europa verträgt keine Kleingeisterei. An erster Stelle steht der Frieden in Europa, was ja beileibe keine Selbstverständlichkeit ist.

      An zweiter Stelle steht die Herausforderung seitens der BRICS-Staaten – auch Schwellenländer genannt – die mit ihrer unglaublichen Fülle an Rohstoffen jeglicher Art die Zukunft bestimmen werden.

      Nur ein geeintes starkes in sich gefestigtes Europa wird diese gewaltige Herausforderung, die nicht uns sondern unsere Kindeskinder betrifft, bestehen.

      Griechenland hin Griechenland her – Hellas geben wir nicht mehr her!

      Schönes Wochenende

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