Meine Prinzessin

Ihr solltet eigentlich glücklich sein. Prinzessin und Prinz sein. Ihr habt jemanden gefunden, der euch glücklich macht und der euch nicht mit einer Eisenstange umhaut. Ich komme gerade von einem Freund.

Sein Gras macht mich glücklich, hat mich aber auch umgehauen. Ich schütte jetzt mal mein Herz aus. Es in Alkohol zu ertränken geht nicht mehr. Es hat Schwimmen gelernt. Da fällt mir auf die Schnelle ein: „Wer geht morgens auf vier, mittags auf zwei und abends auf drei? Richtig, der Alkoholiker.“

Morgens schleppt er sich auf allen vieren aus dem Bett, nach den ersten Drinks geht’s wieder gut auf zwei Beinen und am Abend hängt man nur noch an seinem Drink, da wird die Flasche das drittes Bein. Aber genug davon. Ok nur noch eines, um meine Thesen einzuleiten.

These 1: „Du bist erst dann ein Großstädter, wenn du mit der Weinflasche durch die U-Bahn Stationen streifst ohne schlechtes Gewissen.“

These 2: „Abends im Dunkeln wirkt alles wie ein Horrorfilm.“

Ich gehe am Abend die Straße von meinem Freund zur U-Bahn und wundere mich über die Baustelle in der Nacht. Wo kommt die denn her? Wer hat die da hingestellt? Gerade auf dem Hinweg war ich zwar nur mit der Weinflasche beschäftigt, aber da war die Baustelle noch nicht da. Ganz bestimmt. Und am Abend pfeift der Wind, die Hölzer des Bauunternehmens knarren. Du schaust dich panisch um und hörst noch deinen Namen vom Wind durch die Gegend rufen, verzerrt. Du bleibst fast mit dem Fahrstuhl hängen und er quietscht und schleift. Du fühlst dich beobachtet, obwohl nirgends Leute sind. Ob dass das Gras macht?

Du betrachtest mit gesenktem Blick die gekachelten Fliesen am Boden, die nur von Lüftungsrillen unterbrochen werden und wunderst dich darüber, dass sie sich drehen. Du blickst am Abend noch in den Himmel und fragst dich: „Sind wir alleine im Universum?“ Jetzt, in der Nacht, siehst du eine Verbindung zwischen allem und schaut auf den Boden, sagst dir selbst: „Ja, sind wir.“

Wir sind, wie wir sind, die Einzigen im Universum. Niemand sonst würde darauf kommen tiefe Löcher in den Boden zu hämmern, um noch tiefer Lüftungsrillen anzubringen. Da bleibt mir der Sinn abhanden. Ist etwa unsere Schwerkraft kaputt und die Luft strömt nach unten? Da müsste man dem Hausmeister mal Bescheid sagen.

Doch, bevor du noch einen Gedanken daran verschwenden kannst, kommt ein Bekannter um die Ecke. Er fragt dich, wie es dir geht und will wissen, was die nächsten Tage geht. Ich habe schon wieder vergessen, was ich hier mache. Meine Gedanken gehen nur zu unserer lieben Prinzessin und das man sie eigentlich mit Rosen überdecken sollte, so schön ist sie. Ich antworte in knappen Wörtern, will nur noch nach Hause ins Bett. Das war heute zu viel.


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5 Kommentare

  1. Ostello Jaeger

    Schöne Innenwelt Geschichte, mit einer schönen Prinzessin im Zentrum. Es gibt immer “etwas” wofür es sich lohnt, so eine Prinzessin, denke ich mal…
    HG an den Stef

  2. Corina Wagner

    “Sein Gras macht mich glücklich, hat mich aber auch umgehauen.” Eine Balkonbegrünung mitten im Stadtzentrum kann Freunde schon schwer beeindrucken …
    :-)

  3. cassandra2010

    Hui, da hat Lady Jane mal wieder einen Besuch gemacht… die Princess of Pot kommt ja gerne immer mal wieder vorbei~~~

    http://www.youtube.com/watch?v=41K5Sqob2SQ

    The Princess of Troy

  4. cassandra2010

    Ups, da hat sich ein “gerne” zu viel eingenistet… muss ein Trojaner sein *.*— bitte in Quarantäne schicken, gell?

    1. Stefan Schürrer

      Gemacht… übrigens ein schönes Lied. The Rolling Stones geht immer! :-D
      The Rolling Stones sind doch irgendwie irgendwo die wahren Poeten des zwanzigsten Jahrhunderts!
      Gruß
      Stef

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