Damals, ich war noch sehr jung, 10 oder 12 Jahre alt, da las ich in der Familienzeitung
“ Das Buch für Alle”, Ausgabe 8, 1906, die folgende Anzeige:

Das hat mich fasziniert und mein Leben geprägt.
Fortan lief ich und betrieb Physical Culture. Immer, jeden Tag.
Denn ich hatte einen Traum.
Eines Tages würde ich Präsident der Vereinigten Staaten von Nordamerika sein.
Im Land der unbegrenzten Möglichkeiten … warum nicht?
Man muss nur wollen und seinen Körper ertüchtigen.
Laufen, laufen, laufen …..
So lief ich durch die Jahrzehnte. Aber das Glück war mir nicht hold.
Bald schon kam der WK 1, ich lief durch Frankreich, Flandern ….
Da ging nichts. Ein Deutscher als Präsident der USA … unmöglich!
In den goldenen Zwanzigern kam dann noch mal Hoffnung auf.
In riesigen Luftschiffen flogen Deutsche nach Amerika und wurden bejubelt.
Einstein, Schmeling, Marlene und die Comedian Harmonists ….
Ich lief um meine Chance, die Chance meines Lebens.
Vergebens.
Die ganz große Scheiße begann und ich lief durch halb Europa.
Über Paris nach Norwegen hin zum Kursker Bogen, Warschau, Belgrad, Athen,
Dann über Tunis und Rom bis in die Niederlausitz.
Und das Alles in Stiefeln.
Deutsche wurden danach zwar eingesammelt, aber nicht als Präsidentschaftskandidaten.
Vom Raketenbau hatte ich nur vage Vorstellungen.
Irgendwann habe ich dann aufgegeben.
Obwohl ich immer gelaufen bin und Physical Culture betrieb.
Streng nach den Anleitungen aus dem Buch, das ich mir damals bestellt hatte.
Es sollte halt nicht sein.
Aber das Thema fesselt mich immer noch.
Morgen früh wird sich zeigen ob meine langjährigen Erfahrungen zu einer richtigen Prognose
geführt haben.
Aber es ist schwierig, sehr schwierig diesmal.
Vor allem deshalb, weil ich die Hunde der Kandidaten noch nicht gesehen habe.
Die können Wahlen entscheiden!
Zwei müssen es sein!
Der eine etwas über Kniehöhe, der andere etwas darunter. Das perfekte Mittelmaß ist entscheidend!
Genau wie bei den Kindern: sie dürfen nicht zu klein aber auch noch nicht zu alt sein, gesundes Mittelmaß halt. Und vorzeigbar natürlich – Mädchen mit Zöpfchen können hier entscheidende Stimmen bringen. Besonders in Florida.
Bei den First Ladies hat die Frau Romney natürlich klar die Nase vorn.
Mittellanges, mittelblondes Haar, leicht gewellt ….. das ist ein Big Point!
Das ist das Mittelmaß, welches Stimmen bringt.
Mein Tipp: Die entscheidende Stimme wird ein Farmer aus Oklahoma abgeben. Andrew wird er heißen und sein Sohn in der Navy dienen. Bei der Stimmabgabe wird er ein hellblaues Leinenhemd tragen.
Und eine locker geschnittene Jeans mit Taschen in aufwendiger Cargooptik.
Die Knarre und den Cowboyhut lässt er im Rover zurück und trägt nur ein kleines Plastikfähnchen
Made in China.
Für wen er gestimmt hat, ist ungewiss.
Morgen früh werden wir es erfahren.
Ich stell dann mal mein Kofferradio an.
Dann laufe ich – wie immer.
Und hol mir eine Zeitung.
Wie damals.


Tags:

4 Kommentare

  1. Corina Wagner

    Und lieber Goldhase hast Du die Zeitung inzwischen schon gelesen?
    Hast Du die Stiefel schon wieder aus?

    Jeder träumt, der eine mehr und der andere dann noch mehr…

    Ich möchte mal gern wissen, was Socken erzählen würden, die in so manchen Stiefeln schon steckten, die in Ungerechtigkeiten und Unvorhersehbarem dieser Welt stampften.

    Ich habe auch sehr aufmerksam heute früh die Wild-West-Presse gelesen und kam zu dem Ergebnis, dass die Amerikaner gerade noch einmal so die Hürden geschafft haben, um nicht vom Sattel zu stürzen.
    http://www.youtube.com/watch?v=iaoSiklAXiU&feature=related

    HG
    Corina

  2. Ostello Jaeger

    dazu, lieber hapre, kann ich nur sagen: weiterlaufen, denn das ziel ist, zumindest ist das meistens bei den stimulierenden zielen so, ganz einfach die mohrrübe, die uns so schön in bewegung hält und uns so wundersame erlebnisse beschert…
    hg

  3. cassandra2010

    Der Alte aus Weimar sah es schon vor Jahrhunderten:

    Amerika, du hast es besser
    Als unser Kontinent, der alte,
    Hast keine verfallenen Schlösser
    Und keine Basalte.
    Dich stört nicht im Innern,
    Zu lebendiger Zeit,
    Unnützes Erinnern
    Und vergeblicher Streit.

    Benutzt die Gegenwart mit Glück!
    Und wenn nun Eure Kinder dichten,
    Bewahre sie ein gut Geschick
    Vor Ritter-, Räuber- und Gespenstergeschichten.

  4. MokkaSinn

    Nachher -ganz gewiss- werde ich laufen. Also sobald ich hier raus bin.
    Jetzt entziffere ich noch die Laufanleitung.

    Ach, ich krieg die Amis eh nicht ein. :-/

Kommentare geschlossen.