Hätte man mir vorher gesagt, was alles passieren würde, dann wäre ich damals zu Hause geblieben und hätte mir eine CD von Margit Sponheimer reingezogen. Ich hätte zwei oder drei Piccolöchen getrunken und aus den ollen Brockhaus-Bänden von Onkel Otto Konfetti geschnitzt.

„Gell Du hascht mir gelle gern“, dröhnt es seit diesem Tag stets leise in meinen Ohren, wenn ich daran denke. Ob es mit dem seltenen Willy-Millowitsch-Tinnitus vergleichbar ist, kann ich nicht bestätigen.

„Du mich auch!“, summe ich dann meistens exzessiv, weil ich mich an jenen irrwitzigen Donnerstagabend definitiv nicht erinnern möchte. Jammern auf hohem Niveau nutzt jetzt natürlich auch nichts mehr, wirkt aber irgendwie immer noch ernüchternd. Nach fünf Flaschen vom Rotkäppchen irgendwie nachvollziehbar.

Wäre ich nur nicht auf dem Peter-Frankenfeld-Platz gestolpert und ins Wanken geraten. Und warum musste ich mich von Ulknudel Holla, der kleinen Waldfee überreden lassen, mir dieses doofe Meerjungfrauen-Kostüm in der Boutique Titanic zu kaufen. Es aus lauter Jux und Dollerei zu dieser Veranstaltung anziehen. Dann wäre mir auch nie dieser gestrandete Wal in die Quere gekommen, der einen auf Heinz Erhardt machte. Typen gibt’s, kaum auszuhalten. Er faselte mir dann ziemlich obszön auch noch etwas vom Ei des Kolumbus ins Ohr. Ich rannte so schnell ich konnte in die Theo-Lingen-Straße. Doch dies war zuvor mit einem riesengroßen Menschauflauf verbunden. Schließlich lag der gestrandete Wal eine kleine Ewigkeit auf dem Ende meines Meerjungfrauen-Kostüms. Der hatte vielleicht Nerven, sogar im Schritt. Diese Gekreische alarmierte die Polizei und deshalb platzte mir nicht nur der Kragen. Ich sah vielleicht zerzaust aus, als der weiße Hai zu Hilfe kam.

„Man ist für sein Leben selbst verantwortlich!“, klare Ansage von Dracula, der mich danach verfolgte. Und als ich dann zwei Stunden später wieder aus dem VHS-Gebäude kam, mich ohne wenn und aber sofort von ihm in den Hals beißen ließ, wurde mir dermaßen komisch zu Mute. Es fällt mir immer noch schwer, darüber zu berichten. Das war vielleicht geil, als hätte mein letztes Stündchen geschlagen, um dann in der Hölle zu landen. Der Vortrag: „Narren in unserer Gesellschaft“ von Dr. August von Depp war dagegen echt Papperlapapp. Total benommen lief ich dann Richtung Verkehrsübungsplatz und legte einen kleinen Stopp in der Loriot-Allee ein. Dort begegnete mir der böse Wolf mit den sieben Geißlein. Die waren total schräg drauf, hatten eine Kamera dabei und drehten eine Doku über Altweiberfasching. Erst dann nahm das ganze Elend seinen Lauf, weil sie mich bis zur Harald-Juhnke-Gasse begleiteten.

Bericht von Gundula Helau

© Corina Wagner, Altweiberfasching 2013


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6 Kommentare

  1. MokkaSinn

    Dieser Tage sollte man immer ein Eierlikörchen zur Hand haben, mit dem man das Konfetti runterspülen kann.

    Unnärrische Grüße
    ;-)

  2. Corina Wagner

    Langsam werde ich das Gefühl nicht los, dass die Temparaturen etliche Leberschäden hervorrufen können, wenn es noch kälter wird. Der Rosenmontag soll ja a…, also ziemlich kalt werden. Da bleib’ ich doch zu Haus und schnitze wie Frau Gundula Helau Konfetti. Mal sehen, welches Buch ich dafür nehme…
    :-)
    Total unnärrische Grüße zurück…

  3. Ostello Jaeger

    liebe corina, das klingt irgendwie… närrisch, – ja genau, retro rot käppchen närrisch.
    narrativer gruß

    1. Corina Wagner

      Lieber Ostello,
      soll Dich besonders närrisch von Gundula Helau grüßen, die steckt gerade im großen Narren-Stau in der Helga-Feddersen-Schnellstraße fest.
      Späßle-Grüaßle
      Corina

  4. cassandra2010

    Rubbeldiwupps is er auch bald schon wieder vorbei, der Kannibalenwall.

    Yuppie
    c

  5. Corina Wagner

    Jawoll! Noch einmal schlafen!

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