Lenas Baum

Wenn sie dann, ganz verflissen, irgendwo zerrissen, in dem Moment wüßte, dass Mathew von vorne, genau wie sie, ein Mensch ist, dann würde sie denken, beizeiten ganz entspannt, dieses Haus ist abgebrannt. Wir wollen Reimen Kinder, allesamt, den Mond anbeten, und mit Füßen stapfen in den Sand – sonnenverbrannt– wo Lena sich legte, tot.
Lena ereiferte sich  nicht zu wehren. Rumgeschubst zu werden kannte sie. Ihre Haut spannte als wäre sie verbrannt. Dieses Gefühl des Glühens wurde ihr bewußt als sie 3 Jahre alt war. Sie meinte,  sich erinnern zu können. Waghalsig war sie gewesen und klein. Damals hörten ihr die Bäume zu. Es gab einen Wald abseits der Städte. Nur Kinder kannten diesen Weg. Unter diesem Baum stand eine Bank. Wenn man sich darauf setzte, raschelten die Blätter und das Gespräch begann. Flüsternd, weise, leise und haltend. Mehrmals pro Jahr stattete Lena ihrem Baum einen Besuch ab. Damals, so wie auch heute wieder. Es war schon  lange her, dass Lena ihn besuchte. Ihr Baum erzählte ihr die  Geschichten der Kinder die ihn besuchten. Ihr Freund war warm, schön und weich in seinen rauschenden, flüsterschweren Gedanken.

Lena starb an diesem Tag. Ich kenne diesen Baum selber auch. Meine Oma sagte damals zu mir, dass jedes Kind seinen eigenen Baum hätte. Mit seiner eigenen Bank. Man solle diesen Baum und seine Bank niemals vergessen, und ihn pro Jahr wenigstens einmal aufsuchen, um sich zu vergewissern, dass man irgendwo in seinem Inneren sein kleines Kind nicht getötet hat, denn nur Kinder dürfen zurückkehren an den Ort, an dem sie zu Welt kamen.

Miouwi, 10253.Baum, 5.Gasse, Stadt Lotlot


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3 Kommentare

  1. Ostello Jaeger

    hallo miowi, ein rauschen raunen flüstern rascheln singen & schweigen…
    höre ich in deiner kurzgeschichte
    hg an den 10253 baum in der 5 gasse in lotlot…

  2. MokkaSinn

    Ich sitze jetzt auf dieser Bank.
    Es raschelt leise; ein Flüstern erhebt sich …..

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