Die Erdmännchen Affäre

„So und nun hab‘ ich die Schnauze voll!“, jammerte Christel und sah dabei ihrem Freund Jonas tief in die Augen, der tierisch gut drauf war.

„Morgen ziehen wir in die Provinz. Nach Bayern! Wir gründen dort ein neues Rudel und betreiben Vetternwirtschaft.“

„Du meinst Viehwirtschaft!“, stöhnte Jonas, der gerade sein Fettnäpfchen wieder auffüllte.

„Nein! Bestimmt nicht! Eher Basenwirtschaft! Wir finden bestimmt gesellige Typen, die mit uns in einer Kolonie arbeiten und auch leben wollen. Wir adoptieren ganz unbürokratisch alle sympathischen PolitikerInnen, so schnell wie gestern die ausgesetzten Katzenbabys und dann sind wir mit denen quasi verwandt. Im Ruckzuck-Verfahren sind wir im Nu eine Kolonie. Ich will endlich auf Staatskosten gut leben können. Wir wandern aus. In Bayern kann man gut leben, wenn Du gute Kontakte hast. Notfalls musst Du Klinken putzen, dann läuft das dort wie geschmiert. Du kannst auch heiraten. Deinen blinden Bruder nehmen wir mit, den stellen wir als Wahrsager und Redenschreiber für die Volksverdummung ein.“

„Aha! Christel, dass ist eine feine Idee und Deine Schwester macht uns bestimmt weiterhin den fiesen Bürokram, liegt Dir eh nicht!“, raunte Jonas total euphorisch.

„Genau! Und für Deinem Halbbruder Sepp, dem ersten Vorsitzenden vom Klub Maulwurf haben wir bestimmt auch noch einen Job!“, erwiderte Christel mit Ironie in der Stimme und grübelte sofort wegen einem Partei-Namen. Sie wollte unbedingt im Wahlkampf mitmischen. Und so gründete sie drei Stunden später mit Jonas Kumpeln vom Hallo-Wach-Verein ganz scheinheilig die Bayerischen Sozialen Erdmännchen (BSE) Deutschlands.

„Machen wir jetzt Wahlkampf?“, fragte Jonas einen Tag später bei Christel nach, die gerade mit ihm wegen wichtiger Formalitäten unterwegs war.

„Klaro! Wir sind ein dominantes Paar und zeigen den anderen, wo es in Zukunft lang geht. Wir haben Führungsqualitäten von denen die anderen ab Morgen etwas wissen werden!“

„Und wo finden wir in Bayern Unterschlupf?“, kam es Jonas über die politisch geformten Lippen.

„Wir nehmen die Bauten der CSUler in Besitz, die auf dieser brisanten Liste stehen.“, erwiderte Christel energisch.

„Du meinst also, dass wir im Zuge unserer Arbeitsverteilung gleich unsere neu adoptierten Erdmännchen sozialverträgliche Arbeiten überlassen sollten, so dass diese sich in Gruppen vor die Eingänge der Bauten …?“, fragte Jonas, dem ganz komisch zu Mute wurde und sich ein dreistes Grinsen nicht verkneifen konnte.

„Jawoll! Die setzen sich bestimmt sofort auf die Hinterbeine und schlagen Alarm, wenn einer von denen, die auf der Liste stehen, dann …!“ Christel wurde abrupt still. Beide hörten Schritte. Jonas fasste Christel beherzt am Arm und lief mit ihr in Windeseile Richtung Notausgang.

© Corina Wagner, Mai 2013



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7 Kommentare

  1. Harald Blumenau

    Also bitte, was ist denn gegen etwas Familiensinn einzuwenden? Ich selbst bin über tausend Ecken mit einem Bekannten von dem Schwippschwager von Horst Seehofer verwandt und freue mich über meinen neuen Teilzeitjob als Staatssekret in der bayrischen Staatsklüngelei.

    Wieder ein Unvermittelbarer von der Straße, das ist doch nur positiv!

  2. Mmblfrz’s avatar

    hehe aber die unmittelbaren Nachbarn sind doch auch dabei…

    http://www.youtube.com/watch?v=AZN_E-7iYU0

  3. Corina Wagner

    Ich gratuliere zu dem neuen Teilzeitjob. ;-) :-)
    Ja, ja bestimmte PolitikerInnen in Bayern sind da total sozial…

  4. cassandra2010

    Basale Vetternwirtschaft, aber immerhin politisch korrekt ausgewogen— was will der dumme michel denn mehr?

    Happy new week
    c

  5. Corina Wagner

    Politisch korrekt ausgewogen? Äh…

    1. cassandra2010

      Jo freili—e machn fei alle…

      1. Corina Wagner

        fei alle…

        mit!

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