Afrontex – ein Affront

Eine böse Geschichte im Spätherbst

Es ist Herbst.
Wie in jedem Jahr beobachtet man das Treiben im Garten und drum herum.
Ja, es ist wieder mal so weit.
Die letzen Zwetschgen werden aufgesammelt.
Warme Farben machen sich breit in den Bäumen.
Schön anzuschauen.
Die Vögel, nicht alle aber viele, sammeln sich an exponierten Stellen.
Die Jungen warten gespannt und sitzen.
Die Älteren fliegen noch mal Kreise über die Gärten.
Wo sie den Sommer erlebt und ihre Jungen ausgebrütet haben.
Sie nehmen Abschied.


Irgendwann kommen dann die Erfahrenen.
Die wissen die Route und wie es geht.
Noch ein, zwei Runden im Geschwader zur Übung, dann geht es los,
Richtung Süden.

So ist und war das in jedem Herbst.
Man schaut entspannt zu und denkt schon heimlich an den Frühling.
Dann kommen sie zurück und machen das gleiche Spektakel wie beim Abflug.
Eine schöne Regelmäßigkeit.

Aber in diesem Jahr mache ich mir Sorgen.
Man hat schlimme Dinge gehört.
Die Vögel natürlich nicht.
Es könnte sein, dass sie mit ganz neuen Gefahren konfrontiert werden.
Gefahren, denen sie nicht gewachsen sind.

Die schlimmen Dinge, die ich andeutete, haben einen konkreten Namen: Afrontex.
Dies ist eine Einrichtung, die alle afrikanischen Staaten gegründet haben.
Das Ziel: die Zugvögel von der Nordhalbkugel über dem Mittelmeer abzufangen
und am Erreichen des Kontinents Afrika zu hindern.
Der Grund ist einfach: die Milliarden Zugvögel von der Nordhalbkugel,
die den kargen Wintermonaten in ihrer Heimat durch den Flug nach Afrika

entgehen wollen, ernähren sich dort fürstlich.
Sie genießen das schöne Wetter und picken sich täglich wertvolle Samen von den Feldern.
Samen, die man dort für teures Geld von Monsanto gekauft hat.
Die aufgepickten Samen können natürlich keine Pflanzen mehr hervorbringen.
Und deshalb gibt es Hunger in Afrika.
Während die gut genährten Zugvögel im Frühjahr wieder in den Norden fliegen
um dort die  Menschen mit ihrem Gesang zu erfreuen und ihnen Insekten vom Leibe halten.
Dies sind die klaren Argumente, auf denen die Idee von Afrontex beruht.

Afrontex hat einen Schutzschirm installiert, der mit Satelliten , Flugzeugen, Schiffen

und Drohnen den Zug der  Vögel nach Afrika verhindern soll.
Über Radar und Satellit werden die Schwärme bereits beim Verlassen des nördlichen
Festlandes ins Visier genommen.
Luftschiffe spannen gigantische Fangnetze auf.
Dann werden von Schiffen Raketen abgefeuert, Düsenjäger setzen sich über
die Vogelschwärme und versuchen diese auseinander zutreiben.
Letztendlich steigen Drohnen auf und zerstäuben Sprühkleber in den Vogelgeschwadern.
Diese verschwinden dann irgendwann von den Radarschirmen, die das Mittelmeer kontrollieren.

Es kommt zu diplomatischen Verhandlungen.
Tierschützer in EU haben sich beschwert.
Die Nordhalbkugler beschwören das Recht auf Freiheit – die Freiheit des Vogelzuges.
Die Afrikaner rechnen auf, wie viel ein Nordvogel täglich an Samen von den Felder frisst.
Und wie vielen Kindern dies die Nahrung kostet.
Afrika kann nicht das Futterhäuschen für die gesamte Nordwelt sein.
Die Sache mit Afrontex sei zugegebenermaßen nicht schön, aber leider alternativlos.
Schon wegen der Kinder ….
Außerdem bewiesen Spatz und Meise, dass ein Überwintern in den heimatlichen Ländern durchaus möglich ist.

Man müsse halt nur wollen, sich bemühen, und nicht nur dem Wohlstand und der Wärme hinterher ziehen.

Die Afrontex- Staaten bieten Geld, viel Geld. Damit könnten auf der Nordhalbkugel Wärmepilze
finanziert werden, unter denen die Zugvögel den Winter in ihren Heimatländern verbringen könnten.

Die Nordler ihrerseits bieten Entschädigung für die Schäden durch die Nordvögel an.
Beispielsweise durch Beigabe von anderem Wildgetier.
Deutschland kann hier mit einem breit gefächerten Angebot vom Leopard über den Marder bis hin zu Luchs und Fuchs aufwarten.
Eine Verlockung.

Man wird Kompromisse finden. Wahrscheinlich.
Oder auch nicht.
Man weiß es nicht.
Die Welt ist so unübersichtlich geworden.
Man weiß nichts und hat keinen Plan.
Und kein gutes Gefühl.

Ratlosigkeit

So stehe ich im Garten , schaue ihnen sorgenvoll hinterher.

Guten Flug – gesunde Landung!

Wie viele es schaffen werden – man weiß es nicht.


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6 Kommentare

  1. Ostello Jaeger

    merkwürdige welt… da gibts so viele unheilvolle entscheidungen und aktivitäten… und letztendlich geht es immer nur nur darum, dass macht und geld weiter in den händen der mächtigen und absahnenden bleiben sollen.
    filosofiert der ostell ganz schnell…

  2. Corina Wagner

    Das Leben ist kein Ponyhof, auch nicht für einen (Zug)Vogel, ähm, ja, also…

    Alleine in Deutschland gibt es ca. 70 verschiedene Zugvogelarten und wenn man überlegt, wieviele Vögel jedes Jahr Richtung Süden fliegen…
    “Guten Flug – gesunde Landung!”

  3. cassandra2010

    Vor allem die Ägypter fressen die armen Flattermännchen doch… da haben die Vögel keine Chance, sapristi!

    1. MokkaSinn

      Und die Italiener.
      Waren die nicht mit ihren Netzen ……?

      1. cassandra2010

        genau… die hab ichdoch glatt vergessen, porca miseria

  4. hasepremium

    Ach, liebe Freunde,
    das diese Geschichte eine Seiltänzergeschichte ist, habe ich schon irgendwie geahnt. Aber das sie so daneben geht …..?!
    Nein, hier sollte es es nicht um eine ornithologische Schauergeschichte gehen.
    Sondern um knallharte Menschenrechtsverletzungen und andere üble Geschichten, die sich recht still um uns herum ereignen.
    Hinter dem Namen Frontex verbirgt sich eine Grenzschutzorganisation der EU, deren Ziel es ist, die Festung Europa schon weit vor den Außengrenzen zu verteidigen. Aus der neuen Zentrale in Warschau wird mit modernsten Aufklärungsmitteln hauptsächlich das Mittelmeer überwacht um Bootsflüchtlinge gleich nach dem Start abdrängen oder zur Umkehr zwingen zu können.
    Ich habe die ganze Sache nur komplett auf den Kopf gestellt bzw. stellen wollen.
    Von Nord nach Süd, vom Wasser in die Luft usw.
    Ist leider misslungen.
    Na ja, kann passieren.
    http://www.google.de/url?sa=t&rct=j&q=frontex&source=web&cd=14&cad=rja&ved=0CEAQFjADOAo&url=http%3A%2F%2Fwww.wsws.org%2Fde%2Farticles%2F2013%2F10%2F23%2Ffron-o23.html&ei=CnaKUtODCvSq4gTQv4DoCw&usg=AFQjCNEwFjE2ftuovbClxRpHWDpljfvmxQ&sig2=SXFwFPuVOhDEVGMRI3Im-Q

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