Unsere Generation – wir!

Ich habe schon viel Scheiße miterlebt. Ich habe schon in meine Mütze gekotzt, weil ich es nicht mehr bei mir halten konnte, ich habe schon bei mehreren Drogendealern angeschrieben, wollte mehrmals in meiner Stammkneipe anschreiben, habe nach LSD und Heroin, E und Coks gefragt, mal mehr mal weniger bekommen, … habe mir den Mund in Interviews Wund geredet, habe Scheiße gelabert, habe live on air ausgenüchtert, … habe schon drei Bücher geschrieben; … alles mit 24! – aber was mich wirklich fertig macht, ist die Einstellung unserer Generation. Ich komme da nicht mehr mit. Was ist in den letzten Monaten passiert, dass ich mich nur noch umgucke und überall Heuchler sehe? Soviel kann ich gar nicht eingeworfen haben… – Vielleicht sind sie ja gerade dabei es zu verstehen?! – Ich habe es verstanden. Ich habe es so verstanden…

Wir leben heutzutage meiner Meinung nach in einer Welt, in der man Wand an Wand mit einem Menschen leben kann – und trotzdem kann man diesem Menschen erfolgreich aus dem Weg gehen, indem man den ganzen verfluchten Tag Katzenvideos anschaut. Man kann so viel verdammte Zeit im Internet verschwenden; und das ist nicht mal schlimm! Na ja. Wenigstens haben wir noch das Internet als große Entdeckung. An jeder Ecke wartet der nächste Schuß, der nächste Klipp. Das nächste Video, das nächste Gif! Ansonsten wäre es doch auch wirklich traurig. Die Erde ist bis in den kleinsten Winkel erkundet und das All ist für den einfachen Mann mit einem ausgestrecktem Arm noch nicht zu erreichen um Abenteuer zu schreiben; vielleicht wird es auch nie der Fall sein… das ist auf jeden Fall noch nicht die Antwort.

Was bleibt uns da übrig, als zu jeder Zeit auf kleine Geräte zu starren, ängstlich irgendwas zu verpassen. Man muss unbedingt der erste Klick sein, der das neue Katzenvideo gesehen hat, nur so ist man der Held der nächsten Konservation. So sucht man also ständig das Internet nach den nächsten Funken ab, die unsere Generation am Abend noch warm halten können, als Lebensaufgabe. Wenn die Funken nicht wären, was ist dann noch da? Was ist dann noch zu besprechen, wenn man das neue Musikvideo nicht gesehen hat, wenn man das neue Game nicht gezockt hat, wenn man den neuesten Rage-Comic nicht mitbekommen hat? Was redet man mit den Leuten, die gegenüber von dir sitzen. Was ist dann noch neu? Was aufregend?

Das kann nicht die Antwort sein. Ich meine: “Was ist los?”
Alle sind so abgestumpft und zusammengeschrumpft und mich widert das nur noch an! Seit wann besucht man wissentlich einen Freund, der gerade auf einem Trip ist, um dann die ganze Zeit nur schlechte Laune zu verbreiten und den Trip zu versauen? Wo bleibt unsere Würde? Vor ein paar Monaten war das alles noch etwas anders. Da ist man noch gelaufen, weil man irgendwo hin musste, nicht um auch auf einmal dem Alter wegzulaufen! Damals hat man nicht extra angekündigt: “Ich kiffe jetzt mehr.” Da hat man es einfach gemacht und man hatte auch keine lahme Begründung dafür. “Ich kiffe jetzt mehr, um weniger zu trinken.”, sagen wir heute und damals hätten wir einfach gefeiert.

Wieso? Damals erzählte man sich noch Geschichten was nach dem Abschluss ansteht, wohin man überall will, was man alles sehen möchte und jetzt bespricht man nicht einmal mehr den nächsten Urlaub, hat noch nicht einmal mehr große Pläne für das nächste Wochenende – und dabei sind wir gerade mal 25! Warum tauscht ihr so schnell eure Vorsätze gegen Sicherheit, eure Träume gegen die Wirklichkeit und eure Hoffnung gegen Alltag? Was stimmt mit euch nicht?

Vielleicht, aber auch nur vielleicht hat das ständige Nagen der Anderen an uns Erfolg gehabt. Warum schauen wir immer nach oben, wenn wir an eine übernaürliche Kraft glauben wollen und wir ein Gebet aussprechen? – Weil wir glauben wollen. Wir wollen glauben, dass das nächste Mal, wenn wir in einer Serie wieder unsere Generationsprobleme vorgekaut bekommen und das Studiopublikum applaudiert, wir anfangen uns darum zu kümmern. Stattdessen sitzen wir da, nicken in unsere Chipstüte und verkriechen uns in Chatgruppen, verschicken nervige Bilder und können mittlerweile Sprachnachrichten über ein Chatprogramm verschicken, … anstatt einfach zu telefonieren; das müsst ihr euch mal geben!


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1 Kommentar

  1. Ostello Jaeger

    ich sach da nichts zu – will keinen generationskonflikt heraufbeschwoeren…
    nachoesterlicher gru$

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