Das Autorenleben ist nicht das Gelbe vom Ei…

Wir stehen draußen in den üblichen Rauchergruppen und ich drehe eine Zigarette, vertreibe mir gerade ein bisschen Zeit, aklimatisiere mich von der heißen Luft drin und eines der neuen Mädchen fragt was ich sonst so, neben der Kneipe, mache.

“Ich bin Autor.”, erwische ich mich selbst sagen, in die alte Masche fallen und bereue es direkt.

Mein Kumpel stöhnt nur, weiß um meine Karikatur und den kläglichen Versuch bei dem Mädchen Eindruck zu schinden. “Und was macht man da so? Voll interessant! Was schreibst du? Habe ich schon was von dir gelesen? So richtig Autor?”, ich habe sie alle schon gehört und was sie genau gesagt hat, keine Ahnung. Eines davon auf jeden Fall.

“Hab noch nichts Großes zustande gebracht. Dazu fehlt mir irgendwann immer der Nerv, ich verrenne mich beim Schreiben so leicht in Kleinigkeiten; dadurch verliert die Geschichte immer an Seele.” “Und was machst du so den ganzen Tag über?”, fragt sie und folgt mir in den Alice im Wunderland Hasenbau; dieses Mal schreitet mein Kumpel nicht ein, will vermutlich noch einmal persölich mitbekommen wie ich es anstelle.

“Ich trinke.”, sage ich, da niemand etwas sagt. Eine ungewohnte Situation für mich, sonst werde ich hier immer unterbrochen von Erklärungsversuchen der Leute um mich, sie wollen es dann immer ins richtige Licht rücken, für mich sprechen und mich loben.

Sie lacht, fragt noch einmal: “Nein. Jetzt ehrlich. Was macht man so den ganzen Tag über als Autor?” “Auf Inspiration warten, nehme ich an. Man wartet darauf, dass es zu dir kommt.”

Jetzt werde ich von zwei Rapauken unterbrochen, die einzigen Gäste auf der Party, die wahrscheinlich noch fertiger sind als ich, machen dem Mädchen frefelhafte Angebote, zum Ende des Abends werden sie sich noch um das Mädchen prügeln; das  Mädchen, dass nach der Unterbrechung der zwei zu mir kommt und nochmal, wieder mit mir reden will, ließ sich von alle dem nicht beeindrucken. Mein Kumpel kann es nicht fassen.

“Du trinkst ja schon wieder.”, sagt sie, als sie auf mich zu kommt und meinen neuen Drink in meiner Hand bemerkt. “Ja.”, gestehe ich. “Trinkst du auch beim Schreiben, wenn du sonst auch nicht davon loskommen kannst? Trinkst du immer?” “Nein. Nein. Nicht immer. Du hast, glaub ich, einen falschen Eindruck von mir bekommen. Nicht immer. Ja, beim Schreiben schon. Es hilft. Sieh es doch mal so, beim Schreiben durchlebst du die unterschiedlichsten Zustände. Du sitzt vor deinem Computer oder schreibst dich mit der Hand ab; und das Schreiben ist an sich die einzige Bewegung, die du vollziehst, während du in Wahrheit Liebe, Hass, Verachtung, Freude, Sex und Tod, den Verlust und eine Bergsteigerung machst und lebst! – Da ist also ein Gefälle. Das ist schwer zu verkraften. Da hilft mir das Trinken. Es ist ein Akt, eine Anstrengung. Es gleicht das Leben auf dem Papier und das Leben des Schreibens an. – Manchen reicht Kaffee oder Wasser oder eine Zigarette rauchen, aber ich will jetzt auch keine Vergleiche anstellen wer dadurch besser oder schlechter schreibt, ich will nur sagen, es ist mein kleines Laster. Es macht für mich das Schreiben erträglich. Ich hoffe, ich habe dich damit nicht verschreckt und ach, …”, erwische ich mich wieder dabei. Ich mache eine kleine Pause, schüttele den Kopf und beende meine kleine Ansprache: “… eigentich ist mir auch wieder egal was du davon hältst. Wir haben eh keine Zukunft. Ich versaue es. Das steht schon so geschrieben. Ich versaue es immer, spätestens wenn du einen verantwortungsbewussten Partner brauchst. Dann kannst du davon ausgehen ich liege betrunken oder zugedröhnt auf Droge in irgendeiner Ecke meines Zimmers und vegetiere vor mich hin, ekele dich an.”


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