Der Unflat

…da entdeckte sie den Geldschein.
Er lag unprätentiös zu einem Viertel seiner Fläche unter der Obstschale im Hausflur und wirkte weder auffällig fingiert noch zufällig zurecht gemacht. Die restlichen drei Viertel zeigten Richtung Wand und waren nur schwerlich zu erkennen, wenn man nicht danach suchte. Auch Zümra hatte nicht danach gesucht und doch fand sie ihn. Sie erschrak bei dem Gedanken, der ihr jetzt kam und verwarf ihn ganz schnell wieder.
Vermutlich diente der Geldschein einem Zweck, der schon lange in Vergessenheit geraten war, denn eine leichte Staubschicht war bereits zu erkennen. Die Tatsache, dass sie ihn jetzt erst entdeckte, löste in ihr Verwunderung aus. Hatte sie denn nie den Staub im Schatten dieser Schale wohl entfernt? Sie prüfte die Note genauer und kam ins Staunen. Einhundert Euro. Ganz langsam zeichnete sie mit ihrem Zeigefinger die 100 nach und musterte ihr Ergebnis. Die gedruckten Zahlen waren durch ihre Staubgravur nun wieder gut sichtbar. Sie dachte nach und machte da weiter wo sie zuletzt verworfen hatte. Ihr Verdienst orientierte sich am Mindestlohn und etwas mehr darüber. Genau elf Stunden Putzen lagen unter der  Schale mit der Holzmaserung. Sollte sie? Sie wog den Schein in der Hand, hielt ihn aber auf Distanz wie ein Objekt der Begierde und zugleich des Ekels. Blicke der Neugier und Skepsis wechselten sich ab. Die Einkäufe für einen Monat wären sicher und für Oksan bliebe mehr als nur ein Eis. Außerdem, die Wallensteins würden einem Betrag wie diesem keine große Aufmerksamkeit schenken, sollte er verschwinden. Das machte sie für einen Moment sehr wütend und den zur Tür hereinkommenden Herrn Wallenstein ebenso.


2 Kommentare

  1. MokkaSinn

    Nun erfahren wir nie, ob es sich um einen Test handelte oder…..

  2. Corina Wagner

    “Och!”. Zurückgeblieben mit dem Gedanke wie es weitergehen könnte.
    Danke! ;-)

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