Nee, ….eine Antwort …

“Würde mich freuen von Dir mal wieder ein hasiges Pöm zu lesen
(also leg die Karotte mal zu Seite und greif zur Feder:))”

Hab ich gemacht. Die Feder bleibt immer in den Ritzen zwischen den Tasten hängen, ich bin völlig raus aus der Schreiberei.

So schnell kann’s gehen.

Weil, da wird man mir zustimmen müssen, ein Bild mehr sagt als tausend Worte.

Wenn man schreibt, dass auf dem Boden des Mittelmeers  xxx tote Kinder in Schiffsrümpfen liegen, interessiert das jemand?

Aber das Bild eines toten Kindes am Strand bewegt die Welt.

Ähnlich ist es mit dem Jungen im Sanka irgendwo in Syrien. Wie viele mögen irgendwo so sitzen wo keine Kamera blitzt?

Uninteressant.

Bilder , Bilder, Bilder – das ist die neue Welt!

Überall schauen Menschen nur noch auf ihre  Reibebrettchen und genießen  … Bilder, farbige Bilder!

Was soll man da noch schreiben?

Keine Ahnung…….

Also, das war jetzt halb-ernst – und jetzt wird es häsig.

Denn hasepremium ist jetzt häsinpremium – man muss mit der Zeit gehen.

Die Operationen waren teuer und schmerzhaft, nicht nur für mich, auch für meine Frau!

Wir sehen jetzt beide aus wie Conchita Wurst, nur eben in Grau-Weiß und etwas fülliger.

Die zentrale Frage, das Herausbringen des Mülleimers, ist nach anfänglichen Irritationen geklärt – ich mach das weiterhin.

Aber ansonsten haben wir die Kurve gekriegt – wir sind Bildungsbürger(innen) geworden!

Kein Bier, kein Pfeifenrauch, keine Schreiberei, nur noch Gespräche über gesunde Ernährung und ein kleines Gläschen Roten!

Im Kreise von Geschäftsfroinden und natürlich im Helferkreis.

Überall natürlich über unser Herzensanliegen – der Projektarbeit mit Flüchtlingskindern!

In unserer Stadt wurde ein neues Heim für Fliehende gebaut, man erwartete 210 Menschen, hauptsächlich Familien mit Kindern.

Wer etwas auf sich hält und sich vom Pöbel absetzen will, ist jetzt im Helferkreis organisiert. Man bespricht Projekte.

Projekte mit Flüchtlingskindern.

Museumsbesuche natürlich, Chöre, gemischte Instrumetalgruppen, Puppenspiel und Plätzchenbacken….

Wanderungen im Wald.

Mein Projekt “Töpfern mit Flüchtlingskindern” wurde abgelehnt. Kinderarbeit geht gar nicht!

Dann bot ich “Seifenblasen mit Flüchtlingskindern” an und erhielt großen Beifall. Alle wollten zum Fotografieren dabei sein.

Auch das Projekt “Brahms für Flüchtlingskinder” fand  großen Anklang. Genau wie das Projekt “Goethe für Flüchtlingskinder”.

Das Projekt “Aquarellmalerei mit Flüchtlingskindern” (die Apothekerin hat gerade einen Einsteigerkurs auf der VHS belegt!) wurde begeistert aufgenommen.

Aber auch Nichtbildungsbürger wollen sich einbringen. Bauer Huber bot therapeutisches Eselreiten für traumatisierte Flüchtlingskinder an.

Auch toll!

Die Renner sind natürlich die Vorträge von Rechtsanwalt  M. “Einspruch leicht gemacht -ich helfe!” und Dr. T.: “Welche Diagnose schütz vor Abschiebung”

Leider hat unser Helferkreis ein kleines Problem. Es gibt nur drei Flüchtlingskinder – im Alter zwischen ein und drei Jahren.

Die anderen 40 Bewohner der Einrichtung sind männlich und an unseren Projekten wenig interessiert.

Sie sind mit ihren Elektrogeräten, der Körper- und Haarpflege voll beschäftigt.

Aus dem Stadtpark schauen sie über die Felder auf seltsame Gebilde , die man hier Gurkenflieger nennt.

Darauf liegen Frauen aus Rumänien und Moldavien 10 Stunden am Tag, bei jedem Wetter und pflücken Gurken.

Natürlich bildeten wir gleich einen Vermittlerkreis. Wir befürchteten Verteilungskämpfe und wollten vermitteln.

Mindestens zwei unserer Schützlinge sollten einen Platz auf dem Gerät und die begehrte Möglichkeit zur Arbeit bekommen!

Die Buchhändlerin bot sich zur psychologischen Betreuung an.

Der Konflikt blieb aus – mangels Nachfrage.

Eine komplizierte Situation für den Helferkreis, welche Projekte könnte man noch anbieten?

Mein Projekt  ”Zappa singen mit Fliehenden” wurde abgelehnt.

Zahnarzt P. mit seinem Beckenbauer- Projekt  ”Schau’ma mal, dann sehn ma ja” wurde bejubelt.

Ja, man muss Angebote machen. Aber halt die richtigen.

Und wenn Zahnarzt P. sagt “sagen Sie mal Aaaahhhhh” und unser Schützling sagt dann wirklich “Aaahhhhh”,

dann ist die Freude in unserem Helferkreis riesig.

Ja, Sprache ist ganz wichtig für die Integration.

Dann beglückwünschen wir uns gegenseitig für unser gelungenes Projekt.

Und trauen uns noch mehr zu: “gemeinsam Trennen im Recyclinghof “!

Das verbindet!

Ein Projekt von häsinpremium!!!

Ich bin so stolz! Hoffentlich bin ich nicht der Einzige am Container.

Drückt mir bitte die Daumen für mein Projekt und habt  Verständnis, dass ich nicht zum Schreiben komme.

Es gibt momentan Wichtigeres – Projekte!!

Wenn in wenigen Wochen unser großes Integrationsprojekt gelungen sein wird, dann neh’m ich mir mal wieder die Zeit etwas zu schreiben.

Über meine Projekt natürlich. Und über die Kinder…(fast vergessen).


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4 Kommentare

  1. cassandra2010

    Ja, Sprache ist gaaanz wichtig für die Integration. Und auf ein Foto kommen. Die Macht der Buildn. Deshalb: Södern mit Flüchtlingskindern!

    c2010

  2. Mmblfrz’s avatar

    Also Zappa singen mit Fliehenden ist natürlich ein kulturelles Highlight..

    Bei uns im Kaff wollte sich eine Bekannte von mir für Sprachunterricht für Flüchtlinge ehrenamtlich zur Verfügung stellen.. ihr wurde gesagt das ginge erst dann, wenn sie einen Kurs zum Umgang mit Fremden (gerade sie als Frau) besucht hätte, Kosten 60 Euro: Bitte selbstzahlen! harharhar ..unglaublich.

    Mir wird das alles zuviel, ich hab jetzt gebucht: “Angstfreies Töpfern in der Toskana”

  3. Ostello Jaeger

    tja der trend geht in richtung bürgerliches engagement, anstelle institutioneller lösungen (sozialstaat war gestern) ist kostenloser und irgendwie…niedlich. kennt man ja schon von den tafeln sozialkaufhaeusern kleiderkammern&&& lässt sich wunderbar auf die flüchtlingversorgung übertragen. ich denke mal, dass die ehrenamtlichen sehr viel draus lernen, erfahrungen sammeln…
    die frage nach den ursachen für die kriege und vertreibungen ist unanständig und wird ausgeklammert. nun je,
    tschau

  4. Corina Wagner

    Lieber hasepremium,
    das Schreiben liegt dir immer noch, auch wenn du nun keine Zeit mehr dafür hast. Endlich mal wieder von dir ein Lebenszeichen zu lesen, hat die Seele geschmeichelt. Es geht dir gut, auch wenn nicht alles Silber ist, was in der ehrenamtlichen Arbeit im Bezug auf die Flüchtlingswelle zunächst glänzt.
    Projekte, Projekte, Projekte undundundund ganz wichtig Projekte, diese bestimmen nun im bürglichen Leben den Alltag. Manche gehen darin auf, andere hören nach einer Weile wieder gefrustet auf. Wichtig ist, dass es Menschen gibt, die nicht aufgeben und weiterhin dafür Sorge tragen, dass Integration gelingen kann, wenn alle Widerstände überwindet werden und man durchhält…
    Ich wünsche dir eine gute Zeit und freue mich in Zukunft auf neue Beiträge.
    Herzliche Grüße
    Corina

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