Beim LABO

Im Radio sprechen sie vom heißesten Tag
seit Beginn der Wetteraufzeichnung.
Wir harren aus wegen der Duldung
geduldig geschlagene sieben Stunden.

Der überfüllte Warteraum
im Schweißgeruch vieler Nationen
schweißgebadet auch wir.

Die Anzeigetafel einer Reliquie gleich;
religionsunabhängig wird sie angebetet.
Wann erscheint meine Nummer?

Gelassen sind nur wenige
wenige haben alles hinter sich gelassen.

Die äußeren Makel der Flucht mögen vernarbt sein
Klaffende Wunden dunkeln post oculos.

Und die Augen brennen:
Ist es Sand? –
Wüstenstürme in denen wir irrten.
Salzwasser? –
das Meer in dem mein Kind ertrank.

Endlich kommt der erlösende Aufruf!
Erdrückt stehen wir auf

wir schaffen es…


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1 Kommentar

  1. Corina Wagner

    Schön mal wieder von dir zu lesen, auch wenn dieses Freistilgedicht wahrlich keine leichte Kost ist.

    “Wir schaffen es…”
    Wenn man will: Ja, auch wenn es große Hindernisse gibt.
    Warten, warten, warten – das halbe Leben warten. Generationen wachsen außerhalb von Deutschland heran, die z.B. in Lagern ohne Schulbildung groß werden. Sie erleben tagtäglich Elend. Kinderaugen vergessen nichts.
    Herzliche Grüße
    nach Berlin!
    Corina

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