° Denk’ ich an Frooonkreiiisch in der Nacht…

Ja, es besteht ernster Grund zur Sorge um unser Nachbarland. Die zehn „verlorenen Jahre“ 2006-2016, welche die aktuellen sozialen und wirtschaftlichen Probleme hervorbrachten, unter anderem geschwächte Kaufkraft, hohe Arbeitslosenquote, schmale Gewinnmargen, angeschlagene Unternehmen, Investitionsbereitschaft auf dem Niveau von 2017, haben Frankreichs Gesellschaft und Wirtschaft nachhaltig geschädigt und eine gewaltige Frustration hervorgebracht. Das aber ist der Boden, auf dem der Populismus der extremen Lager besonders üppig gedeiht. Die bürgerliche Mitte scheint mir in Schockstarre zu verharren. Meine Freunde in Frankreich wage ich schon gar nicht mehr anzurufen. Warten wir die große Fernsehdebatte der Kandidaten ab…
Mon Dieu! Was da zur Wahl steht, ist, unabhängig vom Wahlausgang, auf jeden Fall kein Gewinn für Frankreich. In der rechten Ecke ein rassistischer Bullterrier von der Straße, allzeit bereit, das Bein zu heben oder genussvoll zuzubeißen, in der anderen Ecke ein eleganter Jagdhund, frisch vom Groomer zurück und scheinbar freundlich mit der Rute wedelnd, aber nicht weniger gefährlich, denn auch er verfügt über ein prächtiges Gebiss, das sein Herrchen regelmäßig inspiziert. Und die gute Marianne hat nun die Wahl, entweder elegant-neoliberal filetiert oder aber mit allem möglichen Zeug infiziert zu werden. Es war ein erbärmliches Schauspiel, das beide Bewerber dem Zuseher boten. Nix als peng-peng und Ballyhoo! Traurig, dass keiner der beiden Kandidaten- zum Verdruss der meist jugendlichen Wähler- eine umweltpolitische Agenda vorzuweisen hat. Frankreichs Betreiber von Atomkraftwerken können gelassen der Entscheidung entgegen sehen. C’te bondieu de présidentielle, zut alors!


10 Kommentare

  1. Mmblfrz’s avatar

    Bin kein politischer Frankreichkenner , aber was ich so beobachte lässt mich schließen, dass unsere lieben Nachbarn auch selbst Schuld an ihrer Misere sind. Waer bei der kleinsten Zumutung gleich seinen revolutionären Geist aus der Flasche lässt und Barrikadrn baut und das Land lahmlegt, zeigt damit, dass er reformunwillig ist. Das ist in der Moderne für eine Gesellschaft tödlich. Und ich fürchte das Macron den Franzosen zuviel zumuten wird. Damit heißt dann spätestens in fünf Jahren der Praesi Le Pen ( oder ‘itlaer :))

  2. cassandra2010

    Jau, der Franzose ist “frondeur”, will sagen widerständig, aufmüpfig, bereit zur Rebellion. Kennt man von 1789, gell?

    https://www.youtube.com/watch?v=L9VoRmjxvPs

    ^-*
    c.

    1. cassandra2010

      Und-natürlich- mal wieder etwas vom Harry Heine, das wunderbar zum Thema passt- auf beide Kampfhunde:

      Fatal ist mir das Lumpenpack,
      das, um die Herzen zu rühren,
      den Patriotismus trägt zur Schau,
      mit allen seinen Geschwüren.

      Wau!
      Im Ernst: Macron wird sich noch wundern, wenn er bei unserer eisernen Kanzlerin und ihrem oberlehrerhaften Sparfuchs Schäuble auf Granit beißt! Merkel hat die mehr als unterkühlten aktuellen Beziehungen zu unserem “grand ami” zu verantworten. Da gibt es eindeutig mehr Schnittmengen zwischen Macron und der SPD. Aber sein Sieg könnte ein Pyrrhussieg gewesen sein, denn ganz ohne Hausmacht wird er nichts reißen… dommage.
      Und in fünf Jahren steht dann eine gewisse Marion Maréchal-Le Pen zur Wahl, gegen die ist ihre Tante Marine ein Lämmchen!

      1. Mmblfrz’s avatar

        Tja, also wenn jetzt jedem nur einfällt um Macron zu helfen deutsches Geld locker zu machen, dann wird das nix. Was hindert die Franzosen eigentlich daran wirtschaftlich auf die Beine zu kommen? Verbieten die Deutschen denen etwa bessere Autos zu bauen oder die Staatsquote zu verringern. Heute gabs gleich schon mal Proteste von Links. Klar savoir vivre aber den Lebesstandard der Schwiz haben wollen. Gilt für den ganzen Club Med: Hey ich liebe auch Faulenzerei undcLebenskunst, aber ich verlange nicht, dass der hart arbeitende Spiesser von nebenan mir sie bezahlt.
        Macon wird an den renitenten Franzosen scheitern. Und in 5 Jahren habe wir, da geb ich Dir recht, eine Le pen

  3. cassandra2010

    Ha, aber beim Schäuble wird der smarte Macron sich die Zähne ausbeißen! Merkel und Schäuble haben in den letzten 8 Jahren nichts Substanzielles für die deutsch-französische Freundschaft getan- halt, doch: unser Finanzverweser war immer mit oberlehrerhaften Ratschlägen zur Hand. Ansonsten- –eisige Kälte in Berlin…

  4. Corina Wagner

    Bonjour!
    Nun, bin ein bisschen spät dran, liebe Cassandra, um zu kommentieren. ;-)
    Hoffentlich kommt Le Pen mit ihren “alternativen Fakten” nicht in fünf Jahren an die französische Macht. Erschreckend, dass so viele jungen Franzosen sie gewählt haben. Abwarten, warten, warten, was in den kommenden Jahren passiert. Fein wäre es, wenn die uralten Meiler wie z.B. in Fessenheim in Fronkreisch endlich vom Netz gingen.
    Adieu…
    C.

  5. cassandra2010

    Dis donc, Corinne, du warst aber lange nicht hier… ist alles in Ordnung?
    Bisous
    c.

  6. Ostello Jaeger

    viel glück, oder besser gesagt, erträgliches erbauliches etc. auskommen, den franzosen, mit ihrem neuen…

    ciao, schönen tag noch

    1. cassandra2010

      Am 9. Mai stand in der Libération zu lesen:

      Valls (PS) et Le Maire(LR) se jettent dans les filets de Macron. Das ist ein frz. Wortspiel. Valls und Le Maire werfen sich Macron an den Hals/ in die Arme und gehen ihm ins Netz.

      Da wollen sich abgehalfterte Politdödel recyclen lassen, gell? Allons enfants de la Patrie… beurk

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