Ihr müsst ihn lieb und nett behandeln,
erschreckt ihn nicht – er ist so zart!
Ihr müsst mit Palmen ihn umwandeln,
getreulich seiner Eigenart!
Pfeift euerm Hunde, wenn er kläfft:
Küsst den Kopisten, wo ihr ihn trefft!

Und wird er Kanzler: du lieber Himmel,
schätzt ihr die Ehrlichkeit denn so hoch ein?
Das ist nur Moralisten-Fimmel!
Wer möchte nicht ihm untertänig sein?
Nennt ihn ein süßes Schnückerchen,
gebt ihm Bonbons und Zückerchen.

Er ist so glatt, er ist so smart,
hat in Amerika gar nüscht dazu gelernt…
Und in der Sache selber bleibt er hart,
der gute Herr zu Guttenbart.
Auf jeder Tastatur, da findste <-,
damit wird alles schnell entfernt.
Nur nicht der Klops von Gel und Adel.
Und das ist jammerschadel.

PS: Ich bedanke mich beim großen Tucholski für seine Vorlage!


4 Kommentare

  1. cassandra2010

    Ex-Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg hat sich sechs Jahre nach seiner Plagiatsaffäre noch einmal reumütig gezeigt, sieht das Thema aber als endgültig abgeschlossen an. “Ich habe alle Konsequenzen ertragen”, sagte der 45-Jährige bei seinem ersten Wahlkampfauftritt für die CSU im oberfränkischen Kulmbach. “Aber ich darf auch nach so langer Zeit für mich sagen, jetzt ist auch mal irgendwann gut.” Das Plagiieren kann er aber doch nicht lassen: Guttenberg nannte in einem Gespräch den Altkanzler “Gazprom-Gerd” und sagte: “Alte Liebe Rosneft nicht.”

    Das klang nach einem originellen Wortwitz – und kam manchem doch sehr bekannt vor. Am 17. August druckte die “Frankfurter Allgemeine Zeitung” auf ihrer Titelseite einen Artikel über das Dreiecksverhältnis von Schröder, der SPD und Russlands Präsident Wladimir Putin. Überschrift: “Alte Liebe rosneft nicht.”

    Mei, mia ham damische Hirrschn in Minga, Berlin und Moskau!

    c2010

  2. Stefan Schürrer

    Er ist wieder da, fand ich nicht gut. Der Film ist beschissen und Gott sei dank habe ich das Buch nicht gelesen, mir die Zeit gespart und mir kein eigenes Urteil gebildet.

    Für dein kleines Gedicht hab ich mir aber ein paar Minuten Zeit genommen. Schön, auch mal wieder was von dir zu lesen ohne die üblichen Troja-Anspielungen. Das Pferd sieht doch mittlerweile ziemlich alt aus, vor allem im Vergleich zu den anderen Millionen von Texten, die es da draußen zu lesen gibt – auch schön, dass du Kurt Tucholsky für den Durchschnittsleser bekannt machst. Was würden seine Erben bloß ohne das Geld von den nun angekurbelten Bücherverkäufen anfangen?

    Liebe Grüße
    Stefan

    P.S.: Und immer schön bedenken, ein Text ist ein Text ist ein Text ist ein Text und nichts weiter.

    1. cassandra2010

      Zu Deiner würzigen Tirade fiel mir sofort ein Aphorismus Heines ein: “Die Ruhmlosen haben gewiß recht, wenn sie von Bescheidenheit predigen. Es ist ihnen ja so leicht, diese Tugend auszuüben.”

      PS: Welchen Textbegriff verwendest du eigentlich? Den linguistischen? Den integrativen? Den konstruktivistischen? Oder meinst du Intertextualität? Epistemologie?
      Salut
      c2010

  3. Stefan Schürrer

    Natürlich den Begriff, der mich nicht als völliges Arschloch dastehen lässt. ;-)

    Keep up the good work!

    Liebe Grüße
    Stefan

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