Kolumne #2, authentisch

Verkompliziere ich wieder alles oder ist es wirklich so komplex, dass mein Kopf nicht ohne Grund anfängt zu rauchen, wenn ich darüber nachdenke? Oder liegt es daran, dass ich die letzten Tage mit einer Grippe im Bett lag und an nichts anderes denken konnte, wirklich keine andere Beschäftigung hatte, als im Bett zu liegen und nachzudenken?

So viel Zeit habe ich schon damit verschwendet unglücklich zu sein, warum sollte ich jetzt nicht einfach mal glücklich sein dürfen? Habe ich, nach allem was ich durchmachen durfte, jetzt nicht auch mal verdient glücklich zu sein?

Ich bin wie ein Hund, der jetzt ganz vorsichtig einen Luftballon in seinem Mund mit sich herum trägt und mit seinen scharfen Zähnen behutsam die zarte Haut des Luftballons umschließt, weil er die ersten zwei Ballons zum Platzen gebracht hatte – entweder, weil er beim ersten Mal zu überstürzt war, zu viel verlangte und beim zweiten Mal zu verspielt an die Sache herangegangen ist, einmal zu kräftig zugebissen hatte oder sich einfach nur zu dämlich angestellt hatte, unvorsichtig war.

Wenn meine Gedanken wie jetzt wieder einen auf Proust machen und sich in langen Sätzen um alle Möglichkeiten drehen, hilft leider auch kein beherztes geh lieber schlafen einer guten Freundin, dann finde ich mich nämlich trotzdem irgendwann wieder vor meinem Bücherregal ein und sortiere sie diesmal nach Beziehungen, nach beinahe-Liebschaften unter den Autoren und Autorinnen und literarischen Skandalen; einfach nur, um mich von der Last meiner Gedanken abzulenken und für einen kurzen Moment scheint es auch zu funktionieren …

Copryright © 2017 Stefan Schürrer


  1. Ostello Jaeger

    ist ruhe eine, zeitlich befristete, abwesenheit von unruhe? zur ruhe kommen, sich selbst und seinen umtriebigen gedanken ausgesetzt… wie kann das gelingen? hmmm,

    schönen sonntag allen

    Antworten

Antworten