Autopilot_4

>> Nochmal zurück zum Autopiloten:

Das protestantisch geprägte Arbeitsethos des Homo Ökonomicus begann sich dort auszubreiten, wo ein gewisser Martin Luther die ethische Forderung an den Menschen stellt, seine Lebenszeit dem Fleiße und der Regsamkeit möglichst ohn Unterlass zu widmen.

Dies widerspricht den Erkenntnissen des Buches in vielen Bereichen ganz entschieden. Luther sah im Müßiggang das Werk des Teufels, und nicht eine sinnvolle und notwendige Phase kreativer und konstruktiver Gehirn Tätig keit. Für ihn war Armut eine Folge von Faulheit, und nur durch Fleiß zu überwinden. Gesellschaftliche und wirtschaftliche Zusammenhaenge spielten bei ihm nicht wirklich eine Rolle ( vielleicht tue ich ihm Unrecht, aber so ungefähr steht es im Buch ).

Mittlerweile gibt es neue wissenschaftliche Erkenntnisse, – das Gehirn arbeitet nämlich während täglicher eintöniger Arbeit eher auf Sparflamme. Zu höchster Brillanz und Leistung läuft es auf, wenn… ja tatsächlich, wenn wir faulenzen, Nichtstun, Mußezeit pflegen oder wie auch immer dieser Zustand genannt wird. Dann kommt es, empirisch messbar, zu einem Feuerwerk von Gehirntatigkeit in bestimmten Arealen. Bisher wurde diese Art der Hirn Tätigkeit eher unter der Begrifflichkeit Hintergrundrauschen abgetan.

Jetzt scheint sich, hoffentlich, langsam die Erkenntnis durchzusetzen, dass unser Gehirn, um zu seinen höchsten Leistungen zu gelangen, als da wären Kreativität, Vorstellungskraft, Kombination und Verwertung von Erlebtem &&&, ganz einfach auf Phasen intensiven körperlichen Nicht -tuns angewiesen ist. Punkt. Weiter will ich hier nicht aufs Buch Thema eingehen.

Leider hab ich das Buch schon wieder “verlorenen”. In einem Cafee hier habe ich es nämlich, geplant war für ein paar Stunden, an einen Reisenden, der sich nach einem Plausch mit mir über das Buch und dessen Thema, brennend interessiert gezeigt hat, verliehen.

Und bisher nicht wiederbekommen. Statt dessen ist er weitergezogen und hat einen alternativen lese Ersatz für mich bei der Rezeption hinterlegt: ein Buch vom alten “Buck” Charles Bukowski… Nicht mehr ganz mein Geschmack, hat mich vor dreißig Jahren mehr interessiert, da fand ich seine Short Storys ganz spannend, aussagekräftig mit subtilen Botschaften und millieugeprägt, -aber immerhin.

( Mittlerweile scheint es aber eine Bukowski Renaissance zu geben, hier und da taucht er als Gesprächsthema wieder auf )

Ich werde mir den Autopiloten auf jeden Fall neu besorgen und zuende lesen. Hab’s noch nicht mal halb durch. Vermutlich hält es, was es verspricht, ein ganz neues Denk, nein Lebensgefühl. Gewissermaßen pflege ich diesen Modus schon heute, intuitiv, wie hier in Rishikesh ;)

>> ff

Foto: priv.


  1. MokkaSinn

    Es deckt sich mit meinen Erfahrungen:
    Kreativität z.B. entsteht aus Muße. Aus der Fülle an Zeit, in die man sich gleiten lässt.
    Das Hamsterrad stört irgendwie bei allem ….

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  2. Ostello Jaeger

    ja, sehe ich genauso, liebe Mocca. optimal ist das glückshamsterrad, yoga zum beispiel,
    nicht zu vergleichen mit dem, in welches wir uns gewohnheitsmäßig mit gewissem nachdruck von außen begeben…

    ;)

    hg

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