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…von mir selbst! Geile Idee!!

Beim Aufwachen heute Morgen war sie da, die Idee: Aktfotos von mir! Der Einfall war verbindlich wie eine Order von höherer Stelle. Tu es. Heute!

Ein völlig unüblicher, ziemlich verrückter Gedankengang, wenn ich überlege, was mich an Ideen in den letzten Wochen morgens beim Aufwachen so alles und immer wieder begrüßt hat…

Gleichzeitig mit dieser unerwarteten Aufwachsprechblase erschien vor meinen innerlich glasklaren Augen bereits das Endprodukt. Eine Fotoserie in schwarz-weiß, ein geiler Männerkörper in all seiner Schönheit, dezent muskelbepackt, ebenso dezent behaart. Helmut Newton winkt mir im Geiste aufmunternd zu.

Bevor ich meine leiblichen, durch eine sich anschleichende Erkältung reichlich verquollenen Augen öffnete, sah ich mich bereits auf großformatigen Ablichtungen: eben dieser nackte Männerkörper, lasziv dahin gestreckt auf dem Bett oder der Couch, auf dem Küchentisch oder schlicht in seinen fast endlosen 179 Zentimetern auf dem Parkett. Das Elementare ist knapp, aber elegant und wie zufällig verhüllt. Viele verlockende Posen. Mal mit gelangweilter Mine, mal fordernd und bewusst aufreizend in die Linse schauend. Den Körper provozierend dargestellt, das Umfeld in leichter Unschärfe.

Lässt sich machen, denke ich. Das sollte doch eigentlich kein großes Problem werden.

Die körperlichen Augen öffnen sich widerwillig und versuchen sich mit dem Alltäglichen zu arrangieren. Der Wecker zeigt eine etwas unchristliche Zeit: 8:11 Uhr. Um 9 Uhr macht erst das Café auf…

Also erst mal so, wie ich mich später zu fotografieren dachte, runter in die Küche. Kaffeeautomat angeschmissen. Weiter ins Wohnzimmer. Computer hochgefahren. Und wieder rauf ins Bad, um diesen edlen Körper für das gemeine Volk draußen zu verhüllen. Ich hoffte, dass sich die Liege- und sonstigen Falten bis zum Abend auf ein erträgliches Maß entfaltet haben würden…

Der Rest des Tages verlief ungewohnt harmonisch. Keine Rückfälle in gewohnte Verhaltensmuster. Prima! Meine Psycho-Tante hat wieder gute Arbeit geleistet. Har!

Beim abendlichen Duschen, recht zufrieden an mir herab schauend, kam dann plötzlich meine morgendliche Inspiration wieder zum Vorschein. Ich überlegte kurz, ob ich die Session auch auf die Dusche erweitern könnte. Aber da würde ich wohl hoffnungslos überfordert sein. An die diversen Überschwemmungen will ich gar nicht denken. Aber nach wie vor piekste mich der Einfall…

Später, noch im Bademantel, frisch eingeölt… Soll ich wirklich?

Jetzt?

Echt??
Also gut! Digicam raus, Speicherkarte rein. Anschalten, Kamera läuft.

Jetzt kommen ein paar Gedanken, die mit etwas zu tun haben, womit ich bisher nichts zu tun hatte. Also Blumen, Gegenden, Hunde und Katzen kann ich ja. Aber mich selbst? Und dann noch künstlerisch ambitioniert aufgebrezelt??? Na, ich weiß nicht. Aber warum nicht?! Kommt immer auf einen Versuch an.

Da gibt’s zumindest erst mal ein Problem mit der Zeit. Alles andere denke ich im Griff zu haben. 10 Sekunden gibt mir die Automatik, um die Kamera zu aktivieren, mich nackich zu machen und fast gleichzeitig „in Positur“ zu werfen. Nicht ganz einfach. Schließlich soll es ja so aussehen, als wenn ich schon wenigstens 1-2 Stunden so liegen/stehen/hocken würde…, wie auch immer.

Ein Platz für die Kamera ist schnell gefunden. Einfach auf die Lautsprecherbox in Richtung Sessel. Deckenfluter nach oben gerichtet, damit ein leicht diffuses Licht auf den anzuvisierenden Sessel fällt. Dabei fällt mir ein, dass ja gerade das Körperöl der vorhergegangenen Hautpflege möglicherweise unliebsame Lichtreflexe auslösen könnte. Andererseits, auf dem Rücken auch wieder nicht. Wie sollte ich mir den auch alleine einölen?? Diese Bedenken schiebe ich erst einmal beiseite.

Noch habe ich den Bademantel an, weil man mich ja von der Straße aus eventuell sehen könnte. `Leicht verstrahlt war er ja schon immer, aber jetzt hat er wohl ne volle Dröhnung bekommen´, könnten Passanten denken. Der Bademantel, eine weitere komplizierte Zeitvariante. Das Ausziehen nimmt vermutlich schon 1-2 Sekunden. Es sei denn, ich lasse den Gürtel offen. Nur in der Nähe des Fensters sollte ich zusehen, dass ich den Mantel mit einer Hand zuhalte. Sicherheitshalber.

Also noch einmal in Gedanken alles durchgehen: Kamera aktivieren, auf Selbstauslöser drücken, Bademantel vom Leib reißen und über den anderen Sessel werfen oder einfach fallen lassen, zum Sessel rennen, mich über die Lehne schmeißen und gleichzeitig so klasse und lasziv wie möglich aussehen… In 10 Sekunden! Au weia!

Aber einen Versuch ist es wert, denke ich. Gesagt, getan!

Kamera ist aktiviert und stößt den ersten Piepton aus, fast gleichzeitig ist der Bademantel geöffnet und er fällt von mir. Zum Sessel rennen, hinten rum und dann über die Lehne…

Scheiße! Der Sessel kippt!! Das ist einer von denen, bei denen man das Fußteil ausklappen kann und dann liegend in Sekundenschnelle eingepennt ist. Bei mir klappt das jedenfalls. Egal bei welcher Sendung. Und diese Sessel haben eine viel kleinere Basis-Stellfläche als ein „normaler“ Sessel. Das war also nix.

Das muss ich dann wohl so versuchen, dass ich mich vielleicht über die Armlehnen drapiere…? Ein Versuch im Bademantel zeigt, dass es rein theoretisch funktionieren könnte. Allerdings nur rein theoretisch…

Also noch mal: Kamera aktivieren – piep – Bademantel aus – piep-piep – zum Sessel hechten – piep-piep-piep (ganz hektisch schon!) – drauf schmeißen… klick. Das hat ja einigermaßen geklappt! Hossa!! Und noch einmal, damit ich am Rechner wenigstens eine minimale Auswahl habe. Kamera läuft – piep – Bademantel fällt – piep-piep – diesmal von der anderen Seite über die Lehnen gehechtet – piep-piep-piep – klick.

Na prima, denke ich. Jetzt habe ich bereits den Start zu einem Aktwerk, das die Welt bewegen könnte. Kamera aus, Karte raus und ab zum Computer, Karte ins Lesegerät. Zwei Aufnahmen. Das Bildbearbeitungsprogramm öffnet sich und ich sehe mich. Nackt. Quer über zwei Sessel-Armlehnen drapiert. Und das in einer Bilddiagonale von ungefähr 50 Zentimetern. Gehetzter Gesichtsausdruck, alles andere sieht aus wie alles andere als entspannt. Da ist nix drapiert! Sieht aus wie hin geprügelt. Was ich noch sehe, unterschlage ich hier mal. Irgendwie sieht das aus wie “noch ein paar Monate in die Muckibude”!! Und das andere Foto? Nicht viel anders. Alles grausig eigentlich. Da ist nicht viel von künstlerisch.
Und wenn ich jetzt alles mal wirklich in schwarz-weiß…? Vielleicht weniger Schärfe? Für die ganz dominanten Falten und durch Hektik unverdeckten Stellen hätte ich ja noch ein Werkzeug… Nee, lieber nicht! Man weiß ja auch nicht, ob sich so ein virtueller Radiergummi nicht tatsächlich schon nach kurzer Zeit abnützt?! Weiß mans??

Ach was! Nee! Nääh!!!

Zwei entschlossene Klicks. Alles gelöscht. Fertig. Aus.

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Längst habe ich den Bademantel wieder angezogen und den Gürtel mit einem Doppelknoten gesichert. Ich hole mir noch einen Kaffee, räume den ganzen Fotokram weg und höre ein bisschen Musik, während mein Kater mich auf etwas merkwürdige, fast nachdenkliche Art anschaut.

Morgen früh muss ich mal festhalten, was mir als Erstes einfällt, sobald die inneren Augen aufklappen. Irgendeine Muse wird mich schon knutschen, da bin ich mir ganz sicher! Die Zeit ist gekommen. Es müssen ja nicht unbedingt die eigenen Aktfotos sein…

…vielleicht mal wieder ein paar Fotos vom Kater? Oder Blüten? Die kann ich. Das weiß ich genau!

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14 Kommentare

  1. S. Steinebach’s avatar

    Köstlich! :-) :-) :-)

    Vielen Dank!

    1. ChromiD verst. 6.2.2011

      danke sigrid! deine meinung ist mir immer wichtig! :-)))

  2. Eismond’s avatar

    ….ich habe in einer Tour geschmunzelt und habe mich dabei erwischt, dass ich immer schneller gelesen habe…. DANKE

    1. ChromiD verst. 6.2.2011

      muss ich vermuten, dass durch das schnelle lesen ein bestimmtes ergebnis schneller erscheinen sollte? bist du nun enttäuscht?

      ja ja, ich weiß. natürlich nicht. ;-)

      ICH danke!

  3. Eismond’s avatar

    Muah

  4. cassandra2010

    Selbstironische Nasenstüber hast du dir da versetzt, mein Lieber! Und so was von wunniglich…

    Aber warum sicherst du deinen Bademantel? Neigt er zur Körperflucht?

    Nachdenklich-grübelnd
    c.

    1. ChromiD verst. 6.2.2011

      das macht er in der tat! wenn ich mit langen schritten durch die wohnung gehe, wirkt er ungesichert wie ein umhang, der nach hinten weht und vorn nicht mehr existiert. gewissermaßen.

      weiße wat isch min?
      ;)

      1. cassandra2010

        Äwwer jo! Und all der Feinstaub, der dabei aufgewirbelt wird…

        ;-)

  5. Harald Blumenau

    Das Kamasutra des Fotografierens, herrlich! Ich habe das auch mal vergeblich versucht, konnte mich aber nicht auf die Kamera konzentrieren, es erregt mich immer so, wenn ich nackt bin.

    ;-))

    1. ChromiD verst. 6.2.2011

      wenn du mal – irgendwann – eine gute therapeutin brauchen solltest, melde dich bei mir. sie kommt damit zurecht. hundertprozentig!
      ;)))

    2. Wendishesses’s avatar

      Blümchen, pass ma uff mit det kama und sutra haste falsch was verstandet, gestrandet. öh, das laaangsam, nich schnell, du tross! studium life bei mir unterm bademantel. æchz ohne stöhn…

  6. Bambulie’s avatar

    Na ja, mit einer Infrarot Fernbedienung für die Kamera wäre dein Vorhaben leichter zu realisieren gewesen, allerdings wäre dann vermutlich nicht diese lustige Geschichte entstanden. Also, kauf dir bloß keine Fernbedienung. :)

    1. ChromiD verst. 6.2.2011

      mit der neuen kamera kaufte ich gleich auch eine fernbedienung. aber manche erlebnisse mag man nicht mehrfach haben. daher findet die fb auch heute in ganz anderen bereichen anwendung.
      es ist besser so!
      :o)))

  7. Wendishesses’s avatar

    sehr schön, ich empfehle hintergrundbeleuchtung in form rothaariger detailfotografin, die sich mit you&tube auskennt. schick ma dett datei rüber, hoppla aber, bald ist weihnachten. und die nachte sind lang. prost, mit hütchen wär das nicht passiert..was auch nicht passierte. seh ich das richtig

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