Quelle aller Dinge?

Asien Europa: Winkel der Welt; der ganze Ozean: ein Tropfen im All; der Athos: eine Erdscholle im Weltall; die ganze Gegenwart: ein Augenblick der Ewigkeit!
Alles klein, veränderlich, verschwindend; alles kommt von einer Quelle, von jenem gemeinsamen Allbeherrscher unmittelbar oder in Folge seiner Wirksamkeit.
Also sind auch der Rachen des Löwen, das Gift, alles Schlechte, wie Dornen und Sümpfe notwendige Stücke jener prachtvollen und herrlichen Welt.
Fort also mit dem Wahn, als seien sie dem Wesen, das du verehrst, fremd, betrachte vielmehr die Quelle aller Dinge.

Marc Aurel (121-180) A.D.


  1. Mmblfrz’s avatar

    Etwas tierfer als der gute Marc, der geheimnisvolle Lao tse:

    Der Sinn, der sich aussprechen läßt,
    ist nicht der ewige Sinn.
    Der Name, der sich nennen läßt,
    ist nicht der ewige Name.
    »Nichtsein« nenne ich den Anfang von Himmel und Erde,
    »Sein« nenne ich die Mutter der Einzelwesen.
    Darum führt die Richtung auf das Nichtsein
    zum Schauen des wunderbaren Wesens,
    die Richtung auf das Sein
    zum Schauen der räumlichen Begrenztheiten.
    Beides ist eins dem Ursprung nach
    und nur verschieden durch den Namen.
    In seiner Einheit heißt es das Geheimnis.
    Des Geheimnisses noch tieferes Geheimnis
    ist das Tor, durch das alle Wunder hervortreten.

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    1. Bambulie

      Sehr tief.
      Wobei natürlich bei jeder Übersetzung naturgemäß eine gewisse neue Seele entsteht. Vor allem dann, wenn der Autor im 6. Jahrhundert v. Chr. gelebt hat.
      Aber dennoch: Die Grundaussage scheint mir zu sein, dass Nichtsein (Schauen des wunderbaren Wesens) und das Sein (Schauen der räumlichen Begrenztheiten) sind im Grunde ein und das selbe. Sehe ich auch so.

      Für mich gibt es sowieso nur eine einzige “Seele”. Die höhere Macht. 90% des Universums ist bekanntlich dunkle Materie. Nur cirka 10% davon ist also helle Materie ergo Sterne, Kometen, Asteroiden und was da sonst noch so herumfleucht im Universum einschließlich des Trockennasenaffen.
      Nach dem Tod erfahren wir villt. mehr…

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  2. Mmblfrz’s avatar

    Quelle : Spiegel Gutenberg, Tao te King übersetzt von R. Wilhelm

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  3. cassandra2010

    Ich halte es mit Robert Gernhardt…

    z.B. Ach

    https://www.lyrikline.org/de/gedichte/ach-2431

    Text und Rezi des Meisters
    Salut
    C2010

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    1. Bambulie

      Dem ist nichts hinzuzufügen. Ich liebe ihn. Friede seiner Seele!

      Nachdem er durch Metzingen gegangen war
      von Robert Gernhardt

      Dich will ich loben, Häßliches,
      Du hast so was verläßliches.

      Das Schöne schwindet, scheidet, flieht,
      fast tut es weh, wenn man es sieht.

      Wer Schönes anschaut spürt die Zeit,
      und Zeit sagt stets: Gleich ist’s so weit.

      Die Schönheit gibt uns Grund zur Trauer,
      die Häßlichkeit erfreut durch Dauer.

      Einfach super! Habe übrigens bei “Donalds shithole oder: neulich in Amerika” geantwortet, ist aber nicht oder besser noch nicht freigeschaltet.

      Salut

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  4. Corina Wagner

    Es gibt Texte, Gedichte, die überleben alles, sind zeitlos, auch die vom Philosphenkaiser.
    Danke fürs posten, lieber Bambulie! ;-)

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