Der Prozess… mal nicht von Kafka

Opa auf dem Fahrrad
Fuhr auf der Avenü.
Kamen fix zwei Raser
Opa war perdü.

Die PS-Freaks Hamdi H. (27) und Marvin N. (24) sollen in der Nacht zum 1. Februar 2016 mit weit mehr als 100 km/h über den Ku’damm gerast sein. Im Februar 2017 entschied das Berliner Landgericht, die beiden Raser hätten den Tod anderer billigend in Kauf genommen. Sie handelten demnach „mittäterschaftlich und mit bedingtem Vorsatz“. Das Auto sei als Mordwaffe genutzt worden. Neben der lebenslangen Haftstrafe wegen Mordes wurde ihnen der Führerschein auf Lebenszeit entzogen.
Heute nun entschied nun der Bundesgerichtshof (BGH) in Karlsruhe: Das bundesweit erste Mordurteil gegen Raser wurde … aufgehoben. Der Fall habe zwar den Ruf nach härtestmöglichen Strafen laut werden lassen, sei aber gleichwohl nicht als Mord oder vorsätzliche Tötung zu qualifizieren, entschied der BGH. Die beiden jungen Angeklagten machten sich demnach lediglich der fahrlässigen Tötung strafbar.

Und die ist billig zu haben: Bei einer fahrlässigen Tötung reicht der Rahmen von einer Geldstrafe bis zu fünf Jahren Haft.
Wunderbar. Da tut sich eine fantastische Möglichkeit auf, wie man hinfort unliebsame Zeitgenossen nahezu straflos beseitigt. Ein, zwei, drei Raser und das Problem ist erledigt. Eine neue Geschäftsidee, könnte man versucht sein zu sagen.


3 Kommentare

  1. cassandra2010

    Ich bin zum Glück keine Juristin, und deshalb erlaube ich mir zu sagen, dass der BGH hier ein sehr bedenkliches Zeichen gesetzt hat. Wenn diese Knallpfeifen schon rasen und einen “Kick” erleben wollen, sollen sie das auf der Avus oder dem Nürburgring tun. Dort dürfen sie sich auch gerne selber bzw. gegenseitig totfahren. Wenn ihnen das Leben so wenig wert ist, dass sie es auch einem anderen nehmen.
    Ach ja: Einer der beiden Rowdys soll bei der Urteilsverkündung geweint (!) haben. Sicher, weil die Fahrerlaubnis auf Lebenszeit weg war, gell?

    1. Mmblfrz’s avatar

      Habe das Urteil nicht gelesen, aber ich habe das vorausgesehen. Das Problem ist der sog. subjektive Tatbestand, .d.h. Wissen und Wollen derTat. Also Vorsatz. Es ist ein Unterschied ob ich jemanden töten will, oder ob ich allenfalls damit rechne oder rechnen musste (sog. bewußte Fahrlässigkeit). D.h. man müsste Nahcweisen, dass die Raser den Tod des Opfers wollten oder billigend in Kauf genommen haben. Wobei letzteres aber auch voraussetzt, dass eine Verletzungshandlung gewollt war. Denke mal, dass die Verurteilung daran gescheitert ist. Moralische Sauerei allemal aber juristisch wohl richtig. So sehr es schmerzt.

      1. cassandra2010

        Stimmt. Deswegen ja auch meine Einlassung zu Anfang: Ich bin zum Glück keine Juristin. Formaljuristisch ist mir die Sache klar. Hoffen wir, dass dennoch diese üble Raser-Szene beobachtet und entsprechend oft “gestört” wird.

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