Eine Regen Wettergeschichte

Es war einfach zu spät für sowas. So eine Wanderung beginnt man frühmorgens, behauptet auch meine Frau Susanne. Wir aber, sie und ich, ich noch weniger, sind nun mal keine kompromisslosen Frühaufsteher, besonders im Urlaub nicht, wenn wir gewohnheitsmäßig erst nachts um eins ins Bett fallen.

So haben wir dann um 9 noch ausgiebig gefrühstückt, ein bisschen was eingepackt, und sind dann los. Es sollte ein 5 – max. 6 Stunden Trip werden, den Monte Acuto rauf, den etwas niedrigeren (ca 1600m) Bruder des Monte Catria im Italienischen Appenin, in den Marken. Der Wetterbericht hatte zwar für den Nachmittag 70% Regenwarscheinlichkeit vorausgesagt, aber bis dahin, so dachten wir, seien wir eh schon wieder auf dem Rückweg, und die Sonne strahlte so schön.

Also ran an den Hang, genau genommen auf die Straße, die sich am Berg heraufschlängelt. Hinter einer Strassenkehre zweigte der markierte Wanderweg ab. Es ging überwiegend seicht bergauf, durch niedrige Wäldchen und Lichtungen. Zweimal kreuzten wir die schmale Straße. Der letzte Abschnitt führte von der Strasse weg auf eine hochgelegene Terrasse auf tausend Meter. Sie führte um eine steile felsige Wand herum, die wir umgehen wollten, da wir ja gehen, und nicht klettern wollten, um auf die Gipfelkuppe zu kommen.

Leider klappte es nicht so wie vorgesehen. Die mit Gras- und Gebüsch bewachsene zum Gipfel hin doch recht steil ansteigende Wiese, wurde steiler und war nur beschwerlich zu erklimmen, – ausserdem war es schon halb eins, Zeit um langsam an den Rückweg zu denken. Susanne hatte ehrlich gesagt auch keine Lust mehr, sich weiter rauf zu quälen, und teilte mir dies unmissverständlich mit. Seufzend fügte ich mich dem Schicksal, ich wäre gerne noch die letzen schätzungsweise 1000 bis 1500 Meter raufgestiegen. Aber auf der gegenüberliegenden Talseite war deutlich ein graues Wolkenband zu erkennen-und es kam langsam zu uns herüber.

So setzen wir uns kurz auf den Boden, stärkten uns mit einem Stück Brot und  einem Schluck Wasser, und gingen dann zielstrebig an den Abstieg. Die Sonne war mittlerweile verschwunden. Der Abstieg war in anderthalb Stunden zu bewältigen, eigentlich ein Spaziergang. Es fing an zu regnen. Ok, dann regnet es eben, nix besonderes, war mein Gedanke.

Wir zogen unsere Regenjacken an und gingen zügig weiter. Aus vereinzelten Tropfen wurden immer heftiger herabprasselnde dicke Tropfen, wir standen unter einem Wasserfall. Dazu gab es Blitze und krachenden Donner. So einen heftigen Regen hatte ich bis jetzt noch nie erlebt. Meinen Fotoapparat hatte Susanne vorsorglich in ihrer “regensicheren” Jackenaussentasche verstaut. Die Wegefüllten sich mitfliessendem Regenwasser, der Gesteinsschotter wurde rutschig, wir mussten uns enorm konzentrieren…

Den letzten Abschnitt gingen wir auf der Strasse, die sich stellenweise in einFlussbett verwandelt hatte. Unsere Klamotten waren nass und schwer, als ob wir damit im See gebadet hätten. Der Regen ging in Hagel über, schmerzhaft prasselte es auf mein Cap. Wir lachten, es war eine unwirkliche Situation. Ein Auto kam uns entgegen, durch eine tiefe Pfuetze. Auch die Fahrerin lachte hinter der Windschutzscheibe.

Irgendwann kamen wir beim Haus unserer Freundin an, von wo wir gestartet waren. Dort war ebenfalls Wasser durch die Haustür eingedrungen. Mein Fotoapparat schwamm in Susannes Jackentasche wie ein Fisch im Aquarium. Wasserdicht? Ja, dass Wasser blieb, einmal in die Tasche hineingelaufen auch drinnen- die Jacke war also wirklich wasserdicht.

Wir bibberten am ganzenKörper, (da hilft eine heisse Dusche und die Haut mit dem Handtuch warm rubbeln) DenWetterbericht sollte man uebrigens nicht ignorieren, und Wanderungen sollte man unbedingt morgens beginnen ; )

°○.*


  1. Ostello Jaeger

    uff, die tastatur hat verrückt gespielt, aber nun ists doch noch fertich geworden…
    hg

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  2. cassandra2010

    Ja, an derartige Erlebnisse kann ich mich auch noch erinnern… als Kinder waren wir mit meinen Eltern im Wallis/ Bettmeralp- Aletschgletscher unterwegs und wurden von einem unglaublichen Unwetter “überrascht” – wir mussten uns in eine Art Höhle flüchten, denn der Sturmwind drohte uns Kind buchstäblich wegzufegen… Als wir Stunden später wieder in unserer Ferienwohnung waren, haben wir ganz fix die Segnungen der modernen Zivilisation mit heißer Dusche und so weiter genossen und Mama hat ein Fondue gezaubert, anschließend war Spieleabend.
    Aber in meiner Erinnerung war und ist das Tollste der Sturm, die tödliche Gewalt der Natur – eine unbezahlbare Erfahrung für ein Stadtkind!

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  3. MokkaSinn

    Befinde mich gerade im Urlaub an der Küste Englands.
    Wenn’s stürmt und prasselt, und es den Wohnwagen packt und schaukelt, wird es erst so richtig gemütlich.

    Ach ja, seit es uns in Österreich das leichte Reisezelt zerfetzt hat, bauen wir nun stundenlang das Sturmzelt auf. Ist wie mit einer IKEA Bauanleitung.

    Campen ist auch Herausforderung. :-)

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  4. Ostello Jaeger

    Hallihallöchen,
    also ich mag das auch, bei Wind und Wetter draußen zu sein. wenn Blitz und Donner
    sich austoben gehe ich lieber in Deckung.

    Als Kind bin ich gerne in Pfützen herumgeplantscht, für mich waren das Ozeane,
    in der Natur vergesse ich Raum und Zeit…

    LG

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  5. Corina Wagner

    Lieber Ostello,
    gottseidank seid ihr beide nur nass geworden, auch wenn der Hagel unangenehm war, sind größere Blessuren ausgeblieben. In den Bergen dreht sich schnell das Wetter, auch manchmal für erfahrene “Bergmenschen” schlecht einzuschätzen.
    Vor Gewitter habe ich großen Respekt. Zwei Freunde aus der Jugendzeit sind Ende der Siebziger durch einen Blitzschlag gestorben. Einer sofort, der andere ca. drei Monate später an den Folgen im Krankenhaus. Ein dritter hat Schäden davon getragen, aber überlebt. Meine Freundinnen und ich sind schnell nach Hause, als das Unwetter damals nahte. Einige Jungs stellten sich unter Bäumen unter. Ein Fehler. Man spricht ja immer davon, dass man sich bei Gewitter kleinmachen soll, ducken soll und sich nicht unter Bäume stellen soll, aber da war damals zusätzlich ein Stromhäuschen in dern Nähe und leider auch noch eine Wasserader. Seither versuche ich mich bei Gewitter nicht im Freien aufzuhalten.
    Herzliche Grüße
    Corina

    PS. Nun bin ich fast auch schon in Urlaubsstimmung. Am Samstag fahre ich in den Spreewald. ;-)

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