Meine Lieben,

in letzter Zeit las Eure principessa vermehrt das Wort Heimat in den Gazetten. Ein gewisser Bayernhorst soll ja gar ein Heimatmuseum aufgemacht haben, mit C-Fix und Weißwurst und Mercedes und Dieselskandal…äh, ich glaube, ich verplappere mich jetzt aber. Auf jeden Fall rauscht es ganz schön durch den Blätterwald, und auch die Linken, ob grün oder rot, kapern sich die Heimat, weilse den Herrschaften vonne blaue Fraktion den einfach nich übrig lassen wollen.

Das Heimat- und Nation-Geflenne der Rechten geht der Königstochter gewaltig aufs Nüsschen. Aber ich freue mich wie Bolle, wenn unsere NELF, auf neudeutsch “Die Mannschaft” Fußballweltmeister wird. Und wenn deutsche Sportler Medaillen holen. Und wenn deutsche Filme, selten genug, internationale Preise erhalten. Und wenn deutsche Wissenschaftler/ Schriftsteller einen noblen Preis erhalten. Und es ärgert mich, dass Begriffe wie Heimat, Volk, Nation durch die Drecksnazis und diesen unmöglichen Hütler oder wie der geheißen hat – schlecht geschnittene Frise und ungepflegte Rotzbremse und ein unangenehm kackbrauner Anzug – langfristig vergiftet worden sind. Und ich verkünde an dieser Stelle ganz stolz: Die trojanische Königsfamilie hat so einige Heimaten – in Frankreich, in Belgien, in Deutschland, in Dänemark. Und im warmen Italien~~~

Wie sagt doch Luftwaffengeneral Harras so knuffig in Carl Zuckmayers Des Teufels General ?

“Und jetzt stellen Sie sich doch mal Ihre Ahnenreihe vor – seit Christi Geburt. Da war ein römischer Feldhauptmann, ein schwarzer Kerl, braun wie ne reife Olive, der hat einem blonden Mädchen Latein beigebracht. Und dann kam ein jüdischer Gewürzhändler in die Familie, das war ein ernster Mensch, der ist noch vor der Heirat Christ geworden und hat die katholische Haustradition begründet. – Und dann kam ein griechischer Arzt dazu, oder ein keltischer Legionär, ein Graubündner Landsknecht, ein schwedischer Reiter, ein Soldat Napoleons, ein desertierter Kosak, ein Schwarzwälder Flözer, ein wandernder Müllerbursch vom Elsaß, ein dicker Schiffer aus Holland, ein Magyar, ein Pandur, ein Offizier aus Wien, ein französischer Schauspieler, ein böhmischer Musikant – das hat alles am Rhein gelebt, gerauft, gesoffen und gesungen und Kinder gezeugt – und – und der Goethe, der kam aus demselben Topf, und der Beethoven und der Gutenberg, und der Matthias Grünewald, und – ach was, schau im Lexikon nach. Es waren die Besten, mein Lieber! Die Besten der Welt! Und warum? Weil sich die Völker dort vermischt haben. Vermischt – wie die Wasser aus Quellen und Bächen und Flüssen, damit sie zu einem großen, lebendigen Strom zusammenrinnen. Vom Rhein – das heißt: vom Abendland. Das ist natürlicher Adel. Das ist Rasse. Seien Sie stolz darauf, Hartmann – und hängen Sie die Papiere Ihrer Großmutter in den Abtritt. Prost!”

Ganz genau so ist es. Auch Troja bleibt eine Heimat
Eurer principessa


  1. cassandra2010

    Ein heißer Tag mal wieder mit Unwetterpotenzial…

    BTW: Im Übrigen sollten wir Heimat und Gedöns souverän und locker händeln , unseren scharfen Blick aber auf die öffentliche Meinungsmache im Dienste des Kapitals und der Ausbeutung ganzer Schichten lenken und bekämpfen.
    c2010

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  2. MokkaSinn

    Top Ahnenreihe!

    Die Mischung macht’s……

    Hab beim Räumen das schwarzrotgoldene Gebamsel gefunden.
    Bald kriegt es seinen Platz.

    Wir schaffen mindestens das Halbfinale!

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    1. cassandra2010

      Fahnen gebügelt, Hawaiset dampfgestrahlt, 54er Trikot rausgelegt, die Autogrammkarten von Fritz Walter, Toni Turek und ” aus dem Hintergrund müsste” Helmut Rahn (von Papa geerbt!) und die Nationalhymne, gesungen von Sarah Connor, in die Fanecke platziert. Gezz müssen die Jungens bloß noch Weltmeister werden, woll? Aba ohne Neuer im Tor, dat dat klar is.

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