“Es lebe die Freiheit!”

Heute jährt sich zum 100. Male der Geburtstag des Widerstandskämpfers Hans Scholl, der mit seiner Schwester Sophie und seinen Freunden die “Weiße Rose” gründete und 1943 wie jene in einem widerlichen Schauprozess von Robert Freisler, einem fanatischen NS-Richter, nach heutigem Rechtsverständnis rechtswidrig zum Tode verurteilt wurde. Sieben Mitglieder der Weißen Rose bezahlen ihren Mut mit ihrem Leben: Willi Graf, Professor Kurt Huber, Hans Leipelt, Christoph Probst, Alexander Schmorell und die Geschwister Scholl.

In ihrer ehemaligen Alma mater wird jedes Jahr an diese jungen Freiheitskämpfer erinnert:

Weiße Rose – Gedächtnisvorlesung: Bundestagspräsident Dr. Wolfgang Schäuble

“Der Engländer liebt die Freiheit wie sein rechtmäßiges Weib, er besitzt sie, und wenn er sie auch nicht mit absonderlicher Zärtlichkeit behandelt, so weiß er sie doch im Notfall wie ein Mann zu verteidigen. Der Franzose liebt die Freiheit wie seine erwählte Braut. Er glüht für sie, er flammt, er wirft sich zu ihren Füßen mit den überspanntesten Beteuerungen, er schlägt sich für sie auf Tod und Leben, er begeht für sie tausenderlei Torheiten. Der Deutsche liebt die Freiheit wie seine alte Großmutter…”

Harry Heine , Englische Fragmente, 1828

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Oh welche Lust…


  1. cassandra2010

    BTW:

    Bei einem Nazi-Aufmarsch am Freitagabend in Dortmund riefen Rechtsextreme ungehindert antisemitische Parolen. Die Polizei hat mehrere Ermittlungsverfahren eingeleitet – allerdings wegen des Einsatzes von Pyrotechnik.
    spiegel online, Samstag, 22.09.2018 13:42 Uhr

    Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland:

    (1) Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.

    (2) Das Deutsche Volk bekennt sich darum zu unverletzlichen und unveräußerlichen Menschenrechten als Grundlage jeder menschlichen Gemeinschaft, des Friedens und der Gerechtigkeit in der Welt.

    (3) Die nachfolgenden Grundrechte binden Gesetzgebung, vollziehende Gewalt und Rechtsprechung als unmittelbar geltendes Recht.

    Aha. Die Polizisten und ihre Vorgesetzten sollten doch viel öfter ins GG schauen. Oder gilt bereits die Lesart à la Maaßen? Rechtes Auge, linkes Auge…

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  2. Corina Wagner

    Liebe Cassandra,

    danke für Deinen Beitrag über Hans Scholl!
    Gestern Abend war ich in einer großartigen Weltpremiere in der Theaterwerkstatt Ulm e.V. anlässlich des 100. Geburtstags von Hans Scholl. Ich habe darüber auch heute einen Bericht verfassst und u.a. bei freitag in der community veröffentlicht. Diese Inszenierung hätte Dir auch gefallen!

    Herzliche Grüße
    Corina

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    1. cassandra2010

      Das kann sehr gut sein, liebe Hexenschwester! Übrigens hat mein Vater am gleichen Tag wie Hans Scholl Geburtstag, allerdings war er 8 Jahre jünger als jener. Papa war in gewisser Weise stolz darauf, am selben Tag im September wie Hans geboren zu sein. Seine Familie (Opa war Sozialist und ständig untergetaucht) hat das Schicksal der Weißen Rose damals mit Hoffnung und später dann Trauer und Wut verfolgt…

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      1. Corina Wagner

        Liebe Cassandra,
        kann mir gut vorstellen, wie sich Dein Vater in jungen Jahren gefühlt haben muss, als die Weiße Rose zerschlagen wurde, zumal er immer Angst um seinen eigenen Vater haben musste.
        HG
        Corina

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  3. Ostello Jaeger

    In der Anpassung Weltmeister, in der Sehnsucht nach Freiheit auch ganz vorne.
    Laufen sie aber letztendlich doch ihren Obrigkeiten, hinterher…….

    Antworten

    1. cassandra2010

      Hat sich nicht vielgeändert, muss wohl in unserer DNA liegen…

      Heine über den Untertanengeist im deutschen Volk:

      „Ängstigt euch nicht! Ich scherze nur, ihr seid ganz sicher. Unsere dummen Teufel von Servilen verstellen sich durchaus nicht. Seid auch außer Sorge in betreff der kleinen Narren, die euch zuweilen mit bedenklichen Späßen umgaukeln. Der große Narr schützt euch vor den kleinen. Der große Narr ist ein sehr großer Narr, riesengroß, und er nennt sich deutsches Volk. Oh, das ist ein sehr großer Narr! Seine buntscheckige Jacke besteht aus sechsunddreißig Flicken. An seiner Kappe hängen, statt der Schellen, lauter zentnerschwere Kirchenglocken, und in der Hand trägt er eine ungeheure Pritsche von Eisen. Seine Brust aber ist voll Schmerzen. Nur will er an diese Schmerzen nicht denken, und er reißt deshalb umso lustigere Possen, und er lacht manchmal um nicht zu weinen. Treten ihm seine Schmerzen allzu brennend in den Sinn, dann schüttelt er wie toll den Kopf, und betäubt sich selber mit dem christlich frommen Glockengeläute seiner Kappe.

      Kommt ein guter Freund zu ihm, der teilnehmend über seine Schmerzen mit ihm reden will, oder gar ihm ein Hausmittelchen dagegen anrät: dann wird er rein wütend und schlägt nach ihm mit der eisernen Pritsche. Er ist überhaupt wütend gegen jeden, der es gut mit ihm meint. Er ist der schlimmste Feind seiner Freunde und der beste Freund seiner Feinde. Oh! der große Narr wird euch immer treu und unterwürfig bleiben, mit seinen Riesenspäßchen wird er immer eure Junkerlein ergötzen, er wird täglich zu ihrem Vergnügen seine alten Kunststücke machen, und unzählige Lasten auf der Nase balancieren, und viele hunderttausend Soldaten auf seinem Bauche herumtrampeln lassen. Aber habt ihr gar keine Furcht, dass dem Narren mal all die Lasten zu schwer werden, und dass er eure Soldaten von sich abschüttelt und euch selber, aus Überspaß, mit dem kleinen Finger den Kopf eindrückt, so dass euer Hirn bis an die Sterne spritzt?

      Fürchtet euch nicht, ich scherze nur. Der große Narr bleibt euch untertänigst gehorsam, und wollen euch die kleinen Narren ein Leid zufügen, der große schlägt sie tot.“
      (Französische Zustände, Vorrede)

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