„Es lebe die Freiheit” – Weltpremiere

„Es lebe die Freiheit” zum 100. Geburtstag von Hans Scholl

In Ulm fand am 22. September 2018 mit „Es lebe die Freiheit“ eine ausverkaufte Weltpremiere statt, die mit frenetischem Beifall vom Publikum belohnt wurde. Bravo! Die Theaterwerkstatt Ulm e.V. ermöglichte einen brillanten Theaterabend anlässlich des 100. Geburtstags von Hans Scholl. Er und seine Schwester Sophie sind für ihr mutiges Engagement während des Dritten Reichs über die Grenzen Deutschlands bekannt geworden. Sie sind Gründer und Mitglieder der Widerstandsgruppe „Weiße Rose“ an der Münchener Universität. Ihre Namen stehen für mehr Menschlichkeit und Widerstand gegen Hitler-Deutschland. Deshalb gibt es auch ca. 200 deutsche Schulen, die ihren Namen tragen. Das Zitat aus dem letzten Flugblatt der „Weißen Rose“ verliert als Zeitzeuge auch heute noch nicht an Bedeutung und steht als Mahnmal für weitere Generationen:”Im Namen der ganzen deutschen Jugend fordern wir von dem Staat Adolf Hitlers die persönliche Freiheit, das kostbarste Gut der Deutschen zurück, um das er uns in der erbärmlichsten Weise betrogen hat.”

Am 22. Februar 1943 wurden die Geschwister wegen „landesverräterischer Feindbegünstigung, Vorbereitung zum Hochverrat und Wehrkraftzersetzung“ zum Tode verurteilt. Beide starben noch am selben Tag im Gefängnis München-Stadelheim. „Es lebe die Freiheit“ waren Hans Scholls letzte Worte während seiner Hinrichtung. Er, seine Schwester Sophie sowie Alexander Schmorell, Kurt Huber, Christoph Probst und Willi Graf bleiben mit ihrer Widerstandsgruppe „Weißen Rose“ ein wichtiges Symbol für unsere Freiheit, die wir in einer Demokratie lebend u.a. mit Meinungsfreiheit nutzen können.

Jeder Mensch, der zurzeit in Deutschland lebt, bemerkt eine negative, manipulierende Beeinflussung innerhalb der Bevölkerung. Immer mehr wird öffentlich zelebrierter Fremdenhass sichtbar. Deshalb ist es auch nicht verwunderlich, dass Künstler und Theaterleiter darauf mit Veranstaltungen reagieren. Zitat Theaterwerkstatt Ulm: „Es ist uns ein Anliegen, in einer Zeit des aufkeimenden Fremdenhasses und zunehmender Intoleranz mutigen jungen Menschen, die sich gegen den herrschenden Mainstream aufgelehnt haben, auf unserer Bühne Platz zu geben. Es ist das erste Theaterstück über Hans Scholl und damit eine Weltpremiere.“

Die Theaterwerkstat Ulm ist ein Amateurtheater vom Feinsten. Die Akteure, Darsteller überzeugen mit Professionalität.

Die Autoren Elvira Lauscher, Jörg Neugebauer und Thomas Laengerer verfassten neun Spielszenen, die Stationen aus dem Leben von Hans Scholl zeigen. Zu dem auch seine Weggefährten und Mitstreiter Alexander Schmorell und seine Geschwister Inge und Sophie Scholl gehörten. Alle drei Autoren spielen auch während der Inszenierung mit. Die Verknüpfung mit Sequenzen aus Bertold Brechts „Furcht und Elend des Dritten Reiches“, die das gesellschaftliche Umfeld beleuchten, ist hervorragend gelungen. Das Publikum ist bereits zu Beginn mittendrin im Dritten Reich, als die Angst vor Bespitzelung, Verrat, Verfolgung von Juden und Andersdenkender zum Alltag gehörten. Die gelungene Inszenierung bei der Thomas Laengerer Regie führt, wird auch durch Gesangseinlagen und Geigenspiel von Uli Hahnel untermalt. Das Bühnenbild überzeugt durch seine Schlichtheit, da die Worte der Darsteller und die Ausdruckskraft beim Spielen stark genug sind, um das Publikum in eine Zeit zurückzuholen, die von Verleumdung, Krieg und Massenmord geprägt war. Fazit: Eine emotionsgeladene Inszenierung, welche dank aller Mitwirkenden unter die Haut geht. Gratulation!

Mitwirkende, Quelle Theaterwerkstatt Ulm e.V.:

​Über das Autoren-Trio

Elvira Lauscher ist Journalistin und Schriftstellerin und hat neben fünf Sachbüchern und Lyrikveröffentlichungen in renommierten Publikationen ein Kindertheaterstück „Der Vanille-Drache“ geschrieben, das an mehreren Schulen aufgeführt wurde.

Jörg Neugebauer ist Romanautor, Radiomoderator einer Literatursendung und hat mehrere Lyrikbände veröffentlicht. Sein Einakter „Irgendwann wird es von selber hell“ wurde am 10.02.2017 unter der Regie von Thomas Laengerer uraufgeführt. Zuletzt erschien ein Buch über Freud.

Thomas Laengerer ist Regisseur und Dramaturg. Neben Sachtexten zum Thema „Erziehung nach Auschwitz“ (Centaurus Verlagsgesellschaft) verfasste er Theaterstücke und Musicals: „Lawinengefahr“ (2008), „Petticoat“ (2014), „BerlinBerlin“ (2017)

Personen und Darsteller in „Es lebe die Freiheit“

Hans Scholl: Julian Schmid

Sophie Scholl: Julia Knaut

Inge Scholl: Karin Kerschbaum

Mutter Scholl: Ursula Straschewski

Lisa Remppis: Mareike Bladt

Rose Nägele: Joanna Park

Alexander Schmorell: Nicholas Spindler

Personen und Darsteller in „Furcht und Elend“

  1. Volksgenosse in „Volksgemeinschaft“: Mathias Quickmann
  2. Volksgenosse in „Volksgemeinschaft“: Victor Pill

Mann in „Der Spitzel“: Jörg Neugebauer

Frau in „Der Spitzel“: Elvira Lauscher

Knabe in „Der Spitzel“: Elke Brandenburger

Dienstmädchen in „Der Spitzel“: Andrea Johnson

Die Frau in „Der Verrat“: Andrea Johnson

Der Mann in „Der Verrat“: Günter Winterfeldt

Die Nachbarin in „Arbeitsbeschaffung“: Elke Brandenburger

Der Mann in „Arbeitsbeschaffung“: Günter Winterfeldt

Die Frau in „Arbeitsbeschaffung“: Andrea Johnson

Die Frau in „Die jüdische Frau“: Bettina Maigler

Der Mann in „Die jüdische Frau“: Thomas Laengerer

Regie: Thomas Laengerer

Regieassistenz: Bettina Maigler

Maske: Diet Sehl, Silvia Huber, Elke Brandenburger

Kostüme: Elke Brandenburger und Bettina Maigler

Technik: Robert Keller, Rolf Schairer,

Patrick Steiner, Alexandra Gerke

Musik (Geige): Uli Hahnel

Gesang und Percussion: Thomas Laengerer

https://www.tw-ulm.com/kopie-von-tw-produktionen

© Wagmers Randnotiz


Tags: , , , , ,

  1. Ostello Jaeger

    Es waren ihrer so wenige, die ihr Leben riskierten, und aktiv Wiederstand leisteten.
    Um so mehr verdienen sie unseren Respekt. Dank an die Theaterwerkstatt Ulm für diese Darbietungen…
    hg

    Antworten

  2. Corina Wagner

    Vielen Dank für Deine Worte, lieber ostello!

    Traurig, dass es einst so wenige Menschen gab, die ihre Leben riskierten, um
    Widerstand zu leisten. Deshalb ist es wahrlich wichtig, dass man immer wieder aufs Neue an jene erinnert, die damals nicht stillhielten und aktiv wurden.

    Bei Renovierungsarbeiten habe ich erst kürzlich ein Buch entdeckt, das einst meinem Großvater gehörte. “12 Jahre mit Hitler” lautet der Buchtitel. Im Vorwort schreibt der Atlas Verlag im Jahr 1955 u.a.
    Zitat:
    Aus dem Bemühen, zur restlosen Aufklärung der Hitlerschen Dikatatur beizutragen, entschlossen wir uns, dieses Buch der Öffentlichkeit zu übergeben. Der Verfasser, Dr. Otto Dietrich, kam 1931 als vierunddreißigjähriger Journalist aus seiner Heimatstadt Essen in die unmittelbare Nähe Hitlers, den er dann von 1933 bis 1945 als Reichspressechef begleitete. Dietrich schrieb während seiner Internierung im britischen Lager Fallingbostel im Jahre 1946 dieses Buch aus frischer Erinnerung. Das Mnauskript schenkte er Weihnachten 1948 – also noch vor der “Memoirenflut” – jenem Menschen, der sich seines jüngsten Kindes angenommmen hatte. Seither ist an dem Manuskript keine Änderung mehr erfolgt. Dietrich starb zwei Jahre nach seiner Haftentlassung im November 1952. Er wollte seine Biographie Hitlers, zu der er sich berufen und verpflichtet fühlte, zu Lebzeiten nicht veröffentlichen, um die Glaubwürdigkeit und seinen Willen zur Objektivität nicht durch den Verdacht einer Selbstreinigung zu gefährden.”
    Bislang hatte ich leider noch keine Zeit dieses Buch zu lesen und kenne nur den Inhalt des Vorwortes und der Einleitung. Ein kurzer Blick auf das Inhaltsverzeichnis verspricht ein interessantes Werk!

    HG
    Corina

    Antworten

    1. cassandra2010

      Der GP weiß schon einiges mehr…

      https://www.youtube.com/watch?v=9-Wd0qLfJPY

      HH! HoHo!
      c2010

      Antworten

Antworten