In meinen Gedanken…

Es ist eine Sehnsucht, die jedes Molekül meines Körpers beben lässt. Es ist Leidenschaft ohne Erfüllung. Hoffnung ohne Aussicht.

Es braucht nur einen winzigen Gedankenfunken, schon breitest du dich in mir aus wie ein rasend schneller Flächenbrand. Du verdunkelst mit diesem Feuer meinen Geist und verglühst alle Muskeln und Sehnen meines Körpers zu nutzlosem Nichts. Du hältst mich gekettet, unfähig auszubrechen, reichst mir die Schlüssel nicht.

Zeit und Realität verschwimmen irgendwo. Ich kann nicht mehr denken. Du loderst in mir und verbrennst mich unaufhaltsam.

Ich schlafe kaum noch. Nur viel zu wenige Stunden Ruhe holt sich mein Körper, wenn die Erschöpfung zu groß wird. Du bist einfach stärker. Deine immerwährende Präsenz in mir gibt mir keine Gelegenheit, aus diesem viel zu engen Käfig des Verlangens auszubrechen. Gedanken an dich kommen und bleiben. Sie halten mich im Innersten stetig auf Hochspannung, so dass ich hypersensibel auf jedes Wort und jedes Zeichen von dir reagiere. Du bist und bleibst in meinem Kopf, hast deinen bleiern schweren Anker ausgeworfen. Tag für Tag, Nacht für Nacht. Auf nichts anderes mehr als auf dich kann ich mich noch konzentrieren. Nichts vermag dich aus mir zu vertreiben.

Obwohl ich es besser wissen sollte: etwas in mir klammert sich trotzdem mit jeder Faser an einen verschwindend kleinen Funken Hoffnung. An diese winzige Idee, die als Wunschtraum aber so riesig groß ist, dass sie mich inzwischen vollständig ausfüllt. Sie wandert unruhig und zerstörerisch durch Geist und Körper, lässt mich grübeln und singen, schreien und weinen, lachen und hoffen, toben und in endloser Trauer wieder zusammenbrechen.

Mir fällt nichts mehr ein, was mir auch nur andeutungsweise meine Gelassenheit zurück geben könnte. Wie sehr sehne ich mich zutiefst nach Ruhe. Wie gern würde ich wieder Tage und Nächte genießen wollen, wie damals, als ich dich noch nicht kannte. Die immer flirrenden und unsteten Gedanken an dich lassen es nicht zu. Mein Leben geschieht, fast marionettenhaft, ohne mein eigenes Zutun, während die Sehnsucht nach dir mein Herz zu Grunde richtet. Immerzu sehe ich dich vor mir. Augen, Körper, Mund und Brüste. Meine Fantasie schlägt verunglückte Saltos und nichts anderes will mich mehr interessieren. Nur noch du. Haut, Umarmungen, Küsse. Mehr will ich nicht. Nur noch dich. Ich will dich!

Ein Film in grausamer Endlosschleife. Meine Sucht nach dir zermürbt mich. Ich möchte schreien. Wie lange kann ich das noch ertragen? Und, will ich das überhaupt? Dieses Leben noch ertragen?

Eine neue Nacht kommt. Ich weiß, was passieren wird.

Zeit mit dir. Nur ein paar, aber viel zu wenige Stunden. In meinen Gedanken sehe ich immer wieder unsere verschwitzten Körper aneinander gepresst. Wir wälzen uns, völlig entfesselt, im schon gelösten und zerknitterten, schweißfeuchten Laken. In ständig enger Umarmung bewegen wir uns in ungezügelter Leidenschaft und atemlos, um immer wieder neue, noch unbekannte Stellen an uns zu finden. Küssen und liebkosen, lieben. Mit Händen und Mund, mit Zunge und Augen, den ganzen Körpern. Unsere Lenden drängen sich immer neu aneinander und ekstatisch keuchend suchen wir Vereinigung. Immer wieder und wieder finden wir uns, irgendwann zu Tode erschöpft.

Zeit spielt keine Rolle. Die Welt da draußen existiert nicht. Jetzt nicht und nicht für diese wenigen Stunden.

Schon dämmert es. Wieder. Eine weitere, verzweifelt unruhige und schlaflose Nacht geht zu Ende und du warst ganz nah bei mir.

Wieder konnte ich dich fühlen. Schmerzhaft…

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…in meinen Gedanken..

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:(  Danke:/  Danke:)  Danke:)) Danke;)  Danke (13 Bewertung/en: 4.85 von 5 Sternen)

12 Kommentare

  1. Harald Blumenau

    Hammer!
    Sensationell geschrieben. Mir wird ja hier für meinen Geschmack zur Zeit eher mehr Leidenschaft präsentiert, als ich bei dem trüben Wetter ertragen kann, aber dieses Teil hat mir dann doch noch eine Gänsehaut verpasst, die nicht dem Wetter geschuldet ist.

    Ich frage mich trotzdem, was hier mit den Dichtern los ist?

    LEUTE, ES IST NOVEMBER!!!

    Winter, das ist Sterben, Tod, Kälte, Besinnung. Aber die Herren Literaten sind das ganze Jahr nur mit der Liebe beschäftigt.

    Ihr seit doch Lyriker, habt ihr denn gar keine depressive Veranlagungen???
    Das ist doch nicht normal.
    Oh Frühling, mir graut vor Dir!
    ;-)))

    1. Wendishesses’s avatar

      liebster Harald, muss ich schon wieder ran? es ist november, ja. es kommt der winter, nein. gänsehaut gibt es aus dem backofen, ja. liebe ist feuchtwarm-trocken-heiß. nur depressionen sind für bitterschoko gut. gut iss ma wieda. heia. nach frischer kalbsleber mit geschmorten zwiebelchen und bratkartoffeln in schale und kräutersalz und pfeffer, ziemlich viel, viel scharf ist gut gegen november und gut für die liebe. du, harald, bist nicht scharf. aber was nicht ist…

    2. S. Steinebach’s avatar

      Sachema Harald, was ist an diesen Zeilen

      “Es ist eine Sehnsucht, die jedes Molekül meines Körpers beben lässt. Es ist Leidenschaft ohne Erfüllung. Hoffnung ohne Aussicht.”

      bitte nicht depressiv? Das ist tieftraurig!

      Unerfüllte brennende Sehnsucht, also wenn das kein Novemberthema ist, dann weeß ich es auch nicht. :-))

      @ChromiD: Wieder einmal mit einer unter die Haut gehenden Authentizität geschrieben! Toll!

      1. Harald Blumenau

        Das läuft bei mir unter Leidenschaft, da steckt der Begriff “Leiden” doch schon drin und immer geht es um die Liebe zwischen Mann und Frau. Im hormonellen Winterschlaf sehne ich mich einfach mal nach anderen Themen.
        Aber wie ich bereits schrieb, der Beitrag hat mich auch begeistert.

        1. S. Steinebach’s avatar

          Andere Themen? Dann schau mal rauf zum Gemurmelten, der bietet das volle Programm. :-)

  2. Ostello Jaeger

    echt&intensiv – dieser brand sollte unbedingt gelöscht werden wie mir scheint.

  3. ChromiD verst. 6.2.2011

    herzlichen dank allen, die hier so überschwänglich gepostet haben! dabei waren es doch nur ein paar schwülstige (wunsch-)gedanken, die ich aneinandergereiht hatte….
    ;))

  4. cassandra2010

    Tja, lieber Chromid, auch ich kann nur sagen~~~ gefühlsechte Dichtung.

    ^__^

    c.

  5. ChromiD verst. 6.2.2011

    gefühlsecht? woran erinnert mich das jetzt…..?? ;))

    ernsthaft: danke, werte cassandra! :))

      1. Wendishesses’s avatar

        aber, aber..  http://www.psp-tao.de/zitate/autor/Marcel_Proust/5

  6. Wendishesses’s avatar

    native*speaker? where from originally? woohow-wooo…

    Liebe Wendishesses, der Kommentar auf den Du Dich beziehst, war eindeutig Spam und wurde von mir entfernt. Die Redaktion/SSt

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